Sich mit anderen zu vergleichen, führt oft zu Stress

von Redaktion

Bonn – „Vergleichen Sie nicht“ – ein eher überraschender Tipp für das neue Jahr. Andere Ideen scheinen leichter umsetzbar, etwa: „Lachen Sie laut“ oder „Schnuppern Sie an Blumen“. Immerhin 57 Prozent der Befragten nannten kürzlich in einer Forsa-Umfrage der DAK-Gesundheit den Vorsatz, 2019 mehr Sport treiben zu wollen, 42 Prozent wollen demnach abnehmen. Vorsätze und Vergleiche mit anderen hängen zusammen.

Beides kann Ansporn sein, aber auch zu Frust führen. In den vergangenen Jahren ist das Vergleichen nach Einschätzung des Kölner Psychologen Peter Groß „ziemlich aus dem Ruder gelaufen. In der heutigen Leistungsgesellschaft reicht ,gut‘ eben nicht, es muss immer ,sehr gut‘ sein oder ,sehr sehr gut‘, also 200 Prozent.“ Und das lernen Menschen schon sehr früh. Manche Eltern stachelten ihre Kinder stets zu Höchstleistungen an, kritisiert Groß. „Es ist in Ordnung, jemanden zu motivieren. Aber zu großer Druck führt häufig eher zu Problemen.“

Menschen sind im ständigen Abgleich mit ihrer Umwelt und wie sie von ihr wahrgenommen werden. Das muss nichts Schlechtes sein, sagt Markus Wonka. Der Theologe und Psychologe leitet die Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Münster. Der Vergleich sei eine Voraussetzung dafür zu erkennen, was man selbst will und nicht will. Die Kehrseite sei, wenn Menschen nur auf andere schauten. Wonka beobachtet eine Neigung, sich nach oben zu vergleichen: mit Leuten, die mehr haben, schlanker oder schneller sind. „Wer einseitig auf diese Bahn gerät, macht sich selbst unglücklich“, warnt er. Das sieht Groß ähnlich. Vor allem mit Blick auf Aussehen und Finanzen seien Vergleiche nicht ratsam. Ganz schlimm: das Vergleichen mit Fotos in Zeitschriften. „Da ist nichts und niemand echt, und der Betrachter schneidet immer ,schlechter‘ ab.“

Als Psychologe warne er zudem vor IQ-Tests im Internet oder in Zeitschriften. „Solch eine Zahl kann wirken wie ein Brandstempel“, der sich oft lebenslang einpräge: „Dabei beschreibt diese Zahl bei Weitem nicht erschöpfend das komplexe Konstrukt der menschlichen Intelligenz.“ Hilfreich könne dagegen sein, sich mit einem erreichbaren Vorbild zu vergleichen, so Groß. „Jüngere Geschwister können oft schon lesen, wenn sie in die Schule kommen, weil sie können wollen, was die Älteren können.“

Dass viele Menschen zu asymmetrischen Vergleichen neigen, hat mehrere Gründe. Soziale Netzwerke bieten laut Wonka schlicht mehr Möglichkeiten: „Wenn ich in der WhatsApp-Gruppe täglich lese, was andere Spannendes machen, Gesundes essen, welche Orte sie besuchen, frage ich mich schnell: Wie sieht es bei mir aus?“ Doch werde vielfach nur die „Schokoladenseite“ gezeigt: „Misslungene Bilder stellt niemand ins Netz.“ Wonka rät zu überschaubaren und möglichst konkreten Vorsätzen. „Wer sich nur vornimmt, zehn Kilo abzunehmen, scheitert eher als jemand, der einen Plan für den Alltag hat.“

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