Der schwarze König – zu Recht ein Streitfall?

von Redaktion

Ist Schwarz schön? In der Malerei und Literatur des Mittelalters galt schwarze Hautfarbe noch als Symbol für Hexer, Teufel und Außergesetzliche. Erst ab dem 14. Jahrhundert wird einer der drei Könige ein Schwarzer – und seine dunkle Haut steht für Weltoffenheit und Interesse an Afrika.

VON CHRISTOPH ARENS

München/Bonn – Ist es rassistisch, dass der niederländische Nikolaushelfer, der sogenannte „Zwarte Piet“ (Schwarze Peter), schwarz geschminkt ist? Diese Frage spaltet seit einigen Jahren die Niederlande. Auch in Deutschland gibt es immer wieder kritische Stimmen, die Rassismus und Diskriminierung anprangern, weil katholische Sternsinger als Heilige Drei Könige verkleidet mit einem schwarz geschminkten König von Haus zu Haus ziehen. In manchen Gemeinden wird aufs Schminken mittlerweile deshalb ganz verzichtet.

Zu Recht? Ist das sogenannte „Blackfacing“ – 2015 als Begriff zum Anglizismus des Jahres gewählt – ein Angriff auf die Menschenwürde? Die Anfänge der Darstellung eines dunkelhäutigen Königs können in der christlichen Bildsprache und in der europäischen Kunst allerdings geradezu als Zeichen der Aufgeschlossenheit für Afrika gedeutet werden. Erst ab Ende des 14. Jahrhunderts findet sich auf Wappen und Bildern ein schwarzhäutiger König: „Seine Darstellung bezeugt eine neue Einstellung zu Afrika und zur Farbe Schwarz“, schreibt der französische Mittelalterhistoriker Michel Pastoureau in seinem Buch „Schwarz. Geschichte einer Farbe“.

Zuvor, im europäischen Mittelalter, war schwarze Haut in Literatur und Malerei fast ausschließlich negativ besetzt. Sie wurde denjenigen zugeschrieben, die sich außerhalb der gesellschaftlichen, religiösen oder moralischen Ordnung bewegten – vor allem Henkern, Hexen und Teufeln. Auch der Verräter Judas wurde oft mit dunkler Haut, schwarzen Lippen – wegen des verräterischen Kusses – oder mit schwarzem Heiligenschein dargestellt.

Dunkle Hautfarbe sprachen die mittelalterliche Malerei und Literatur auch den Sarazenen zu, also den muslimischen Gegnern der hellhäutigen und blonden Kreuzritter. „Je dunkler die Haut, desto suspekter die Person“, fasst Pastoureau die symbolische Bedeutung der Farbe zusammen. Aus Sarazenen wurden im Sprachgebrauch Mauren (von Mauretanien), auf Deutsch auch Mohren. Das schloss nicht nur die Völker Nordafrikas ein, sondern sämtliche Muslime von Spanien bis zum Mittleren Osten.

Das änderte sich mit dem 14. Jahrhundert. Schwarz wurde positiv aufgeladen, symbolisierte Autorität und Nüchternheit. Es hielt Einzug in die Kleidung der Patrizier in den Städten und in die Amtstracht von Würdenträgern. Es wurde zur Farbe der Königshäuser und der Kurie. Und in Malerei und Literatur tauchen vermehrt positiv besetzte Persönlichkeiten mit schwarzer Hautfarbe auf. Und auch einer der Heiligen Drei Könige wird plötzlich dunkel – etwa in Hieronymus Boschs Altarbild „Anbetung der Heiligen Drei Könige“.

Schwarze Hautfarbe stand ab dem 14. Jahrhundert für Exotik und für den Wunsch, alle Völker zum Christentum zu bekehren. Nicht zuletzt spiegelt sich in der Liebe zur dunklen Haut auch die wachsende Neugier der Europäer, die sich mehr und mehr über die Grenzen des eigenen Kontinents hinauswagten.

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