Goslar – Lkw-Fahrer in Deutschland wissen oft nicht, wo sie während der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten ihre Lastwagen abstellen sollen. Denn bundesweit fehlen nach Ansicht von Experten tausende Stellplätze. Weil sie oft keine legale Parkmöglichkeit fänden, stellten die Fahrer ihre Lkw vielfach regelwidrig ab, bemängelt der ADAC. Auf Raststätten gebe es für Pkw dann oft kein Durchkommen mehr.
Schlimmer noch: Lastwagen stünden nachts vielfach unbeleuchtet auf den Standstreifen vor Autobahnparkplätzen, beklagt der Automobilclub AvD im Vorfeld des Deutschen Verkehrsgerichtstag, der am Mittwoch in Goslar beginnt. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) schätzt, dass die Zahl der fehlenden Lkw-Stellplätze im fünfstelligen Bereich liegt. Eine von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Auftrag gegebene Studie ist noch nicht ausgewertet.
Sicher sei aber, dass Stellplätze vor allem entlang der Transitrouten fehlen, sagt BGL-Sprecher Martin Bulheller. Eine Ursache für den Andrang an den Parkplätzen sei die Zunahme der Warenströme infolge der Internationalisierung der Industrieproduktion. Vor allem Lkw aus osteuropäischen Ländern seien in Westeuropa oft wochen- oder sogar monatelang ununterbrochen im Einsatz.
„Demzufolge sind viele Parkplätze mit pausierenden beziehungsweise auf die nächste Ladung wartenden Lkw aus Billiglohnländern belegt“, sagt Bulheller. Vor allem an Wochenenden sehe man Lkw bis auf die Abfahrts- und Beschleunigungsstreifen parken, beklagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein, Jörg Elsner. „Dadurch wird der Verkehr in diesen Bereichen massiv behindert“, stellt der Automobilclub ACE fest. Auch die Gewerkschaft der Polizei plädiert für mehr Lkw-Parkplätze. Wenn der Gesetzgeber den Fahrern die Pflicht zur Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten auferlege, „muss er auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie sich daran halten können“, sagt der Bundesvorsitzende Michael Mertens.