Berlin – Kritische Anmerkungen von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zur Gleichberechtigung von Mann und Frau bei Putzen, Kochen und Hausarbeit haben teils zerknirschte Reaktionen ausgelöst. Bei einer Feierstunde zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts hatte Schäuble gemahnt: „Auch wenn Frauen längst in politischen Spitzenpositionen zu Hause sind: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“ Unverzichtbare Tätigkeiten wie Kindererziehung, Hausarbeit und Pflege müssten besser aufgeteilt werden – „eine weithin akzeptierte Erkenntnis, an deren Umsetzung Männer gelegentlich mit Nachdruck erinnert werden müssen“, sagte Schäuble.
Die Zahlen sprechen tatsächlich eine eindeutige Sprache: Zwar verliert in Deutschland das Modell des männlichen Alleinverdieners zunehmend an Bedeutung, doch leisten auch heute noch erwerbstätige Frauen im Schnitt mehr Hausarbeit und kümmern sich länger um die Kinder als ihre Partner.
Die Bundesregierung kommt in ihrem Gleichstellungsbericht 2017 zu dem Ergebnis, dass Frauen im Schnitt täglich 87 Minuten mehr als Männer für Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege und Ehrenamt aufbringen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht für 2014 sogar von drei Stunden aus – das allerdings nur auf Werktage bezogen.
Nach Angaben der Bundesregierung verbringen beschäftigte Frauen zwar weniger Zeit in einem Beruf als Männer, arbeiten aber – rechnet man bei beiden Geschlechtern unbezahlte Tätigkeiten dazu – in der Woche im Schnitt eine Stunde mehr: 45,5 Stunden (Männer 44,5). Zurückhaltend geschätzt, soll allein unbezahlte Hausarbeit 2013 in Deutschland einen Wert von fast 1000 Milliarden Euro erreicht haben – mehr als das gesamte produzierende Gewerbe.
Auch wenn man nur Eltern betrachtet, ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern enorm. Das Statistische Bundesamtes zeigte in einer 2017 veröffentlichten Studie, dass Mütter rund zweieinhalb Stunden mehr unbezahlte Arbeit leisten als Väter. Sie bringen also wesentlich weniger Zeit für ihren Beruf auf.
Immerhin seit 1977 sind Männer und Frauen dazu angehalten, „die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen zu bewältigen. Bis dahin sah die Situation im Haushalt daheim ganz anders aus, Frauen mussten sich alleine um diese Aufgaben kümmern. Im Gesetz (BGB, Paragraf 1356, Absatz 1) war zu lesen: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.“
Die „Bild“-Zeitung hatte mehrere männliche Bundestagspolitiker mit Äußerungen zitiert, wie sie selbst es zuhause halten. „Ich koche sehr gern“, sagte dazu Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). „Und ich räume regelmäßig die Geschirrspülmaschine ein und aus. Ich muss aber gestehen, dass ich ansonsten nur selten dazu komme, im Haushalt mitzuhelfen.“
Auch der Vorsitzende der Linken-Fraktion, Dietmar Bartsch, gab sich eher verlegen: „Leider ist die Hausarbeit weiterhin nicht gleichberechtigt aufgeteilt. Auch bei mir. Jeder, auch ich, sollte also bei sich selbst beginnen und nicht über andere reden.“ FDP-Politiker Wolfgang Kubicki reagierte lakonischer: „Ich mache die Weinflaschen auf und bringe den Müll raus. Außerdem arbeite ich gelegentlich den Einkaufszettel meiner Frau ab und hole sonntags die Brötchen.“