Hannover – Im Streit des Welfenhauses um den Verkauf von Schloss Marienburg für einen symbolischen Euro an das Land Niedersachsen hat Prinz Ernst August von Hannover seinem Sohn das Recht zum Verkauf abgesprochen. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und das „Handelsblatt“ am Mittwoch berichteten, richtete der 64-Jährige Senior ein entsprechendes, über 30-seitiges anwaltliches Schreiben an Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD).
Erbprinz Ernst August ist demnach nicht zu dem angekündigten Verkauf des renovierungsbedürftigen Schlosses berechtigt, weil dies gleich mehreren Bestimmungen der 2004 zwischen Vater und Sohn geschlossenen Schenkungs- und Erbverträge widerspreche. Dem „Handelsblatt“ zufolge ist es dem Erbprinzen als sogenanntem nicht befreitem Vorerben untersagt, Grundstücke aus der Schenkung zu verkaufen oder gar zu verschenken.
Ernst August senior warf seinem Sohn in der Zeitung vor, ihm jahrelange Verkaufsgespräche hinsichtlich der Marienburg verheimlicht zu haben. „Der Erhalt derartiger Kulturgüter war nie einfach, dennoch sehen ich und die anderen Familienmitglieder derzeit keinerlei nachvollziehbaren Grund, diese Kosten ohne Not den niedersächsischen Bürgern aufzubürden“, zitierte das Blatt das Familienoberhaupt.
Der Erbprinz wiederum wies im „Handelsblatt“ die Argumentation des Vaters zurück. „Vertraglich war von Anfang an immer klar geregelt, dass ich wie ein befreiter Vorerbe über Grundstücke verfügen darf – gegenteilige Aussagen sind falsch und entsprechen nicht den vertraglich festgehaltenen Tatsachen.“ Ernst August junior beharrt demnach auf seiner Position, nicht in der Lage zu sein, die notwendige Renovierung des Schlosses zu bezahlen.
Der geplante Verkauf des bei Hannover gelegenen neugotischen Schlosses war im vergangenen Herbst bekannt geworden. Der Bund und das Land Niedersachsen wollten sich nach dem Abschluss des Geschäftes hälftig die Sanierungskosten von in etwa 27 Millionen Euro teilen. Mit Bekanntwerden des Streits ließ das Land Niedersachsen das Geschäft aber ruhen und forderte beide Seiten zur Klärung auf.
Ernst Augugst senior hatte bereits 2004 seinem Sohn die Marienburg und andere Immobilien überlassen. Inzwischen warf der Vater seinem Sohn Berichten zufolge aber wiederholt „groben Undank“ vor und fordert nun die Rückgabe der Schenkungen. Auch die Hochzeit seines Sohns im Jahr 2017 lehnte der Vater öffentlich ab. Wie die „Bunte“ berichtet, hat der Welfen-Prinz, der noch immer mit Caroline von Monaco verheiratet ist, gerade er eine Bauchspeicheldrüsen-Not-OP überstanden.