Streit um Kirchenreformen spitzt sich zu

von Redaktion

Würzburg/Vatikanstadt – Über die Frage, wie die katholische Kirche auf die Glaubwürdigkeitskrise reagieren soll, sind die deutschen Bischöfe offenbar in einen heftigen Streit geraten. Der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ liegt ein Diskussionspapier vor, das von vier Bischöfen – Peter Kohlgraf (Mainz), Franz-Josef Overbeck (Essen), Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) und Stefan Oster (Passau) – verfasst wurde und in dem die Kirche in einer „existenziellen Krise“ gesehen wird. „Leben und Reden fallen in der Kirche weit auseinander“, heißt es in dem Text. Es gehe jetzt darum, eine „Isolation der Bischöfe“ aufzuheben. Die vier Autoren des Papiers schlagen eine nationale Synode vor, in der mit katholischen Laien, Kirchenkritikern und Bischöfen über Reformen diskutiert werden soll. Sie hoffen, dass durch eine solche Initiative ein „Aufbruch der Kirche in Deutschland“ möglich sei. Am Ende einer solchen Synode könnten sie sich auch „regionale Lösungen“ für die Kirche vorstellen. Doch über diesen Vorschlag soll es, wie auch unsere Zeitung erfuhr, zum lautstarken Streit unter den Bischöfen gekommen sein. Vor allem konservativen Bischöfen seien die Zugeständnisse an Laien und Kritiker zu weit gegangen. Die Folge: Es gab keine Abstimmung über das Papier. „Interne Beratungen kommentieren wir nicht“, sagte dazu gestern Bischofskonferenz-Sprecher Matthias Kopp gestern der Katholischen Nachrichten-Agentur (kna).

Gerade erst hatte ein Brief von neun Theologen an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Münchner Kardinal Reinhard Marx, für Wirbel gesorgt. Sie hatten eine andere Sexualmoral, die Weihe von Frauen, die Abschaffung des Pflichtzölibats sowie eine echte Gewaltenteilung in der römisch-katholischen Kirche gefordert. Konservative Kreise hatten sich darüber empört: Der Missbrauchsskandal werde für altbekannte Reformideen instrumentalisiert.  cm/kna

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