München/Hannover – Sogar der weltgrößte Tourismuskonzern Tui bekommt die neuen Vorlieben der Deutschen in Sachen Urlaub schmerzhaft zu spüren: Weit weniger Deutsche als erwartet haben heuer bislang einen Urlaub in Spanien gebucht. Das ließ den weltgrößten Reisekonzern Tui tiefer in die roten Zahlen rutschen. Ebenfalls schlecht für den Konzern ist der Trend zum Last-Minute-Urlaub. Dadurch müssen Reiseveranstalter Reisen billiger verkaufen als geplant, bevor sie auf Hotelkapazitäten und Flugtickets sitzen bleiben.
Statt ins immer teurere Spanien zieht es deutsche Urlauben neuerdings wieder häufiger in die Türkei und nach Nordafrika. Dort ist der Urlaub nach langen Krisen in den vergangenen Jahren billig geworden.
Nach Jahren der Krise ist die Zahl der ausländischen Besucher 2018 in der Türkei wieder deutlich angestiegen. Im vergangenen Jahr besuchten knapp 39,5 Millionen Ausländer die Türkei, teilte das Tourismusministerium in Ankara Ende Januar mit. Dies war ein Plus von 22 Prozent gegenüber 2017. Einschließlich der 6,62 Millionen im Ausland lebenden Türken, die 2018 in die Türkei reisten, erreichte die Zahl der Türkeibesucher 46 Millionen. Dies sind sogar mehr als 2015, als 42 Millionen ausländische Besucher in die Türkei kamen.
Mit 5,9 Millionen kamen die meisten Touristen im vergangenen Jahr aus Russland, gefolgt von Deutschland (4,5 Millionen) und Bulgarien (2,4 Millionen). Allein die Zahl der deutschen Besucher stieg um knapp 26 Prozent.
Nun hat zwar auch Spanien 2018 den sechsten Touristenrekord in Folge erreicht – es kamen gut 82,8 Millionen Urlauber, etwa 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber die Zahl der deutschen Urlauber nimmt ab. Das zeigen die Zahlen des spanischen Statistikinstituts. So reisten im ersten Halbjahr 2018 mit 11,4 Millionen deutschen Urlaubern 4,1 Prozent weniger deutsche Besucher nach Spanien als im Vorjahr. Einer der Gründe könnte die Teuerung in Spanien sein, vielerorts wurden zum Beispiel Touristiksteuern eingeführt. Auf der Tourismusmesse Fitur in Madrid Mitte Januar waren auch die gestiegenen Hotelkosten auf Mallorca, Menorca und Ibiza ein großes Thema: Beherbergungsbetriebe verlangen 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren.
Das „Mallorca Magazin“ erwartet deshalb – und wegen des Wiedererstarkens der Reiseziele Türkei, Tunesien und Ägypten – einen „komplizierten Sommer“, schreibt es aktuell. Auch Bulgarien liegt im Trend und macht es den Balearen schwer. Derzeit liegen die Buchungen für Mallorca für 2019 ganze 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Einige Mallorquiner dürfte das freuen. Auf der Insel gibt es immer mehr Proteste gegen Massentourismus.
Nun bleiben zwar immer mehr Deutsche und Briten fern, letztere stehen auf Platz eins der Besucherzahlen der Balearen. Doch füllten 2018 andere Nationen diese Lücke, so kamen beispielsweise zehn Prozent mehr Niederländer nach Spanien.
Von der Spanienmüdigkeit der Deutschen profitiert auch Bayern: Der Freistaat feiert die Tatsache, dass „Urlaub dahoam“ immer mehr im Trend liegt. Zum siebten Mal hintereinander ist die Zahl der Übernachtungen gestiegen, sie lag 2018 bei 98,7 Millionen. Es urlaubten im vergangenen Jahr also knapp fünf Prozent mehr Menschen in Bayern als im Vorjahr.