Detmold – Der Skandal um verschwundene Beweismittel für einen massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde könnte weitere Konsequenzen haben. „Sollten weitere organisatorische oder personelle Maßnahmen nötig sein, werde ich nicht zögern, diese ebenfalls zu ergreifen“, erklärte der zuständige Polizeichef und Landrat Axel Lehmann (SPD).
Unterdessen ging die Suche nach den abhandengekommen CDs und DVDs weiter. „Wir sind dran“, bekräftigte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU). Das Argument des Personalmangels will er als Erklärung für die Pannen aber nicht gelten lassen: „Auch wenn wenige da sind, müssen die ordentlich arbeiten.“ Unbestritten sei, dass es gravierende Fehler gegeben habe, sagte Landrat Lehmann, der auch die Kreispolizeibehörde Lippe leitet. Welche Fehler das im Einzelnen gewesen seien, werde in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt aufgeklärt.
Der Fall hat sich mittlerweile zu einem Polizeiskandal ausgeweitet, weil im Gebäude der Kreispolizei in Detmold Beweismittel verschwanden. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft handelt es sich um 155 CDs und DVDs, die auf dem Campingplatz und in der Wohnung des Hauptverdächtigen gefunden worden waren.
Die Datenträger in einer Mappe und in einem Aluminiumkoffer sollten in einen extra eingerichteten Asservatenraum umgelagert werden. Dabei fiel auf, dass das Material fehlte. Mittlerweile suchen LKA-Spezialisten nach den Beweisstücken. „Rein theoretisch“ könne der Koffer „irgendwo noch rumstehen“, erklärte Reul am Samstagabend. „Es war auch zwischendurch mal ein Umzug da oben, dann waren noch mal Handwerker da.“
Nach erster Einschätzung soll das Verschwinden der Beweismittel der Aufarbeitung des Falls nicht im Weg stehen. Lehmann sagte, er sehe keine Gefahr, dass der Verlust eine Verurteilung vereiteln könne. Insgesamt gebe es rund 15 Terabyte Daten. Davon seien maximal 0,7 Terabyte nicht mehr verfügbar.