Kaum noch Hoffnung im Fall Rebecca

von Redaktion

Die Suche geht weiter – Polizei macht keine Aussagen zur festgenommenen Person

Berlin – Hier ist die Großstadt gefühlt ganz weit weg: Die Einfamilienhäuser am südlichen Rand von Berlin wirken wie ausgestorben, das Viertel ist weitgehend menschenleer. Ausgerechnet hier suchen Kriminaltechniker der Polizei nach Spuren eines möglichen Verbrechens an der seit mehr als zehn Tagen vermissten Berliner Schülerin Rebecca (15).

Akribisch untersuchen die Experten des Landeskriminalamtes (LKA) das kleine, etwas in die Jahre gekommene Haus mit der weißen Klinkerfassade, in dem sich die Jugendliche vor ihrem Verschwinden aufgehalten hatte. Doppelter Schlag für die Angehörigen: Der Ort, den die Polizei für einen möglichen Tatort hält, ist das Zuhause der Familie einer Schwester Rebeccas. Es gehe darum, alles zu durchsuchen und möglicherweise vorhandene Spuren zu sichern, sagte ein Polizeisprecher.

Unter Tatverdacht steht nach unbestätigten Medienberichten eine Person aus Rebeccas persönlichem Umfeld. Die Polizei selbst macht auch einen Tag nach der Festnahme dazu keine näheren Angaben, nennt nicht einmal das Geschlecht der gefassten Person. Behörden wollen damit in solchen Fällen Vorverurteilungen verhindern und Ermittlungen nicht gefährden. Diese dauerten ebenso wie die Vernehmung der verdächtigen Person an.

Mehrere Stunden ist das Team von Kriminaltechnikern in weißen Schutzanzügen in dem Haus im Stadtteil Britz und rundherum zugange. Die Experten machen unter anderem Fotos: in der Einfahrt, vor der Garage und im Garten bei einer Deko-Statue.

Die Aktion legt den Schluss nahe, dass die Ermittler noch – weitere? – handfeste Beweise brauchen, um einen dringenden Tatverdacht zu begründen. Dann könnten sie die beschuldigte Person vor einen Haftrichter und möglicherweise erst einmal in Untersuchungshaft bringen. Andernfalls müssten sie sie wieder laufen lassen. Was die Ermittler bisher gegen sie in der Hand haben und ob es eine Spur zu der 15-Jährigen selbst gibt, sagt die Polizei nicht. Möglicherweise spielt ein Kleidungsstück eine Rolle, das Beamte nach Medienberichten am Mittwoch etwa anderthalb Kilometer entfernt vom Haus der Schwester fanden.

Als der Einsatz am Wohnhaus am Nachmittag beendet ist, tragen die Mitarbeiter große braune Tüten in ihren Transporter. Der Inhalt: unklar. Es sei völlig offen, wann Ergebnisse des Einsatzes vorliegen, sagte eine Polizeisprecherin.

Rebecca verschwand am 18. Februar. Die Polizei setzte bei der Suche Hunde ein, wertete Handydaten aus und veröffentlichte Fotos des Mädchens und ihrer zuletzt getragenen Kleidung. Auch ein Polizeihubschrauber überflog den Stadtteil Britz. Mehr als 100 Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein. Parallel wandte sich die Familie an die Öffentlichkeit. Die Eltern sprachen mit mehreren Medien, eine weitere Schwester Rebeccas bat unter anderem bei Instagram um Hilfe bei der Suche.

Die große Frage, ob Rebecca noch am Leben sein könnte, bleibt vorerst offen. Schon nach der Festnahme am Donnerstag war aber von einer Suche nach einem lebenden Mädchen nicht die Rede. Die wenigen Nachbarn, die am Freitag auf der Straße unterwegs sind, zeigen sich betroffen. „Erst mal hofften alle, dass sie nur weggelaufen ist“, sagte eine ältere Frau, die einige Häuser neben Rebeccas Angehörigen lebt. „Seitdem sie dort suchen, ist meine Hoffnung ziemlich geschrumpft.“ Jeder in der Nachbarschaft sei „böse überrascht“.

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