„Break, break, bitte um Heimkehr“

von Redaktion

Der Pilot der abgestürzten Boeing 737 Max 8 bat den Tower panisch um eine Landeerlaubnis

Washington/Addis Abeba – Nach dem Absturz in Äthiopien will der US-Flugzeugbauer Boeing vorerst keine Maschinen vom Typ 737 Max mehr ausliefern. Dies gelte, „bis wir eine Lösung finden“, sagte ein Konzernsprecher. Die Boeing 737 Max 8 war am vergangenen Sonntag sechs Minuten nach dem Start abgestürzt, alle 157 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. Die Absturzursache ist weiterhin unklar, Experten vermuten ein technisches Problem bei der Maschine.

Die „New York Times“ berichtete unter Bezug auf eine nicht namentlich genannte Quelle von der Kommunikation des Piloten der verunglückten Maschine ET 302 mit dem Kontrollturm in Addis Abeba. Der Pilot der Unglücksmaschine habe bereits eine Minute nach dem Start den Tower mit „panischer Stimme“ um Rückkehr gebeten. „Break, break, bitte um Heimkehr“, zitierte die „New York Times“ den Piloten. „Bitte um Korridor zur Landung.“

Der Kontrollturm erlaubte ihm, zum Flughafen zurückzukehren, und wies zwei ankommende Flugzeuge an, zunächst in größerer Höhe zu verbleiben, wie die Zeitung weiter berichtete. Eine Bestätigung der Angaben gab es zunächst nicht. Die Zeitung berief sich auf eine „Person, die die Kommunikation zwischen Tower und Pilot abgehört hat“. Die Fluglotsen hätten beobachtet, dass die Boeing vor dem Absturz „hunderte Fuß auf und ab schwankte“. Sie habe schon kurz nach dem Start „auf anormale Geschwindigkeit beschleunigt“. Nach etwa fünf Minuten sei die Sprechfunkverbindung mit dem Piloten abgerissen, kurz darauf habe die Maschine aufgeschlagen, schreibt das Blatt. Ethiopian Airlines betonte, der 29-jährige Yared Mulugeta Getachew sei ein erfahrener Pilot mit mehr als 8000 Flugstunden gewesen.

Bei der französischen Luftsicherheitsbehörde BEA begann am Freitag die Untersuchung von Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder, die am Montag am Absturzort geborgen worden waren. Äthiopien hat dafür nicht die nötige Ausrüstung. Die Flugschreiber waren bei dem Absturz beschädigt worden.

Für Boeing ist der Absturz ein schwerer Imageschaden, der den Konzern teuer zu stehen kommen könnte. 78 Prozent der Bestellungen in den Auftragsbüchern betreffen die Max-Familie, rund hundert Airlines haben mehr als 5000 Maschinen bestellt. Der Aktienkurs des Flugzeugbauers fiel in den Tagen nach dem Absturz in Äthiopien stark. Berichten zufolge erwägen erste Airline-Kunden, Bestellungen zu stornieren – der Nutznießer könnte der Konkurrent Airbus sein. Zudem drohen Boeing Vertragsstrafen und Entschädigungsforderungen von Airlines, die ihre neuen Boeings plötzlich nicht mehr fliegen dürfen. Die Fluggesellschaft Air Canada strich am Freitag wegen des Flugverbots ihre Gewinnziele für das laufende Jahr. Die Airline arbeite weiter an einem Notfallplan, um mit der Situation umzugehen.

Zugleich werden sich vor den Boeing-Werken bald nagelneue Flugzeuge aus der Reihe 737 Max stauen. Der Konzern will unverändert an der Produktion des Unglücksfliegers festhalten – zumindest wohl so lange, bis es nicht mehr genügend Parkplätze für die neuen Maschinen gibt. Der Flugzeugbauer produziert Analysten zufolge etwa 50 der Flieger im Monat, doch wegen des Flugverbots der Luftfahrtbehörde kann Boeing die Maschinen nicht mehr ausliefern. Das Unternehmen spricht von einer „Lieferpause“. Der Druck auf Boeing steigt dadurch weiter.

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