Stockholm – Für viele ist sie fast schon eine Heilige – für andere gar eine „Prophetin“. Sie ist für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, bekommt am 30. März die „Goldene Kamera“ verliehen und bald erscheint ihr erstes Buch, ihre Memoiren über ihr Leben für das Klima. Doch jetzt hat Greta Thunberg, die auch gestern wieder die Schule schwänzte und – dieses Mal in Kopenhagen – für das Klima demonstrierte, ihre Anhänger mit einem einzigen Facebook-Post ziemlich vor den Kopf gestoßen: Thunberg hatte am Wochenende geschrieben, Atomenergie könne „ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung“ sein. Es ist eine Position, die viele Experten aus Wirtschaft und Energiesektor seit Jahren vertreten, die bei Umweltaktivisten aber eher höchst verpönt ist.
Mittwoch wurde dann zurückgerudert – der Eintrag auf Facebook mit einer kleinen, aber entscheidenden Änderung versehen: „Ich persönlich bin gegen Atomenergie, aber …“ Danach folgt der alte Text: „… laut IPCC kann sie ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung sein, insbesondere in Ländern und Gegenden, die keine Möglichkeit für eine vollständige Versorgung durch erneuerbare Energie haben – auch wenn das sehr gefährlich, teuer und zeitintensiv ist.“ Die Schweizer Zeitung „Blick“, die als erste über Gretas Energiewende berichtet hatte, bekam gar einen Anruf von Gretas Pressesprecher, der versicherte, dass alles gar nicht so gemeint gewesen sei und darauf verwies, dass der Facebook-Eintrag mittlerweile geändert wurde. Und auch Greta legte noch mal nach in Sachen Selbstverteidigung: „Ich habe eine winzige Änderung im Text vorgenommen“, kommentierte Greta ihren eigenen Post. „Denn einige Leute – sogar Zeitungen – betreiben andauernd Rosinenpickerei, wenn ich etwas schreibe und lassen Teile der geschriebenen Sätze aus.“
Greta Thunberg hat eben auch nicht nur Freunde, daher sorgte ihr Kernkraft-Zugeständnis in den sozialen Medien auch für zahlreiche hämische Reaktionen. Auch so mancher Bundestagsabgeordnete zeigte sich irritiert. Wie die „Welt“ berichtete, twitterte CDU-Politiker Matthias Hauer: „Oha, Greta Thunberg bringt Kernenergie als Teil einer klimaneutralen Energieversorgung ins Spiel. Jetzt haben die Grünen aber ein echtes Glaubensproblem mit ihrer Prophetin.“ Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte Thunberg in einer Rede mit einer „Prophetin“ verglichen, wie der Evangelische Pressedienst berichtet hatte. Und in der Begründung zur Verleihung der Goldenen Kamera hieß es; Innerhalb kürzester Zeit sei die 16-Jährige eine „Ikone einer neuen Jugend- und Protestbewegung“ geworden.
Greta, die man nur selten lächeln sieht, hat durch ihren Einsatz für die gute Sache Millionen Fans auf der ganzen Welt und weiß sich durchaus geschickt zu vermarkten. Pünktlich auf dem Höhepunkt ihres noch jungen Ruhms erscheint am 30. April ihr erstes Buch: „Es ist die ganz persönliche Geschichte der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihrer Familie. ,Szenen aus dem Herzen‘ erzählt, wie die Eltern mit Gretas Asperger-Syndrom umgehen. Wie Greta erstmals vom Klimawandel hörte und seitdem nicht mehr aufhören konnte, darüber nachzudenken. Wie sie ihre kleine Schwester Beata und ihre Eltern davon überzeugt, für das Klima zu kämpfen“, heißt es in der Verlagsmitteilung.
Reißender Absatz ist quasi garantiert. Doch auch das teilt der Verlag mit: Die Autoren werden alle Einkünfte aus ihrem Buch einem wohltätigen Zweck zugutekommen lassen. cjm