Neuer Missbrauchsfall in NRW – und wieder Polizeifehler

von Redaktion

Düsseldorf – Nach dem massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde erschüttert ein weiterer Fall von Kinderpornografie mit erneuten Versäumnissen der Polizei das Land Nordrhein-Westfalen. Ein Physiotherapeut aus dem ostwestfälischen Bad Oeynhausen soll in seiner Praxis bei Behandlungen pornografische Fotos von kleinen Patienten gemacht haben. Die Ermittlungen kamen nur mit großen Verzögerungen voran. Drei Durchsuchungsversuche der Polizei scheiterten. Erst der vierte Versuch Anfang März war erfolgreich – rund 16 Monate nach dem ersten Hinweis auf die Fotos.

Mit Lügde und Bad Oeynhausen gebe es nun „zwei Fälle, in denen die Polizei Fehler gemacht hat“, räumte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf ein. Die Opposition aus SPD und Grünen zeigte sich fassungslos und forderte Aufklärung. „Es kann nicht sein, dass über ein Jahr versucht wird, eine Durchsuchung durchzuführen“, sagte der SPD-Innenpolitiker Hartmut Ganzke.

Im Fall Bad Oeynhausen gebe es eine „mittlere einstellige Zahl von Opfern“, sagte Reul im Innenausschuss des NRW-Landtages. Weitere Opfer seien nicht auszuschließen, „möglicherweise sogar viele“. Im Fall Bad Oeynhausen sitzt der 60-jährige Krankengymnast und Heilpraktiker seit vergangener Woche in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes von Kinderpornografie.

In den Ermittlungen hat es laut Reul in puncto Ermittlungstempo einen „klaren Fehler“ der Polizei gegeben. Der Fall hätte „höher priorisiert“ werden müssen, da der Verdächtige als Kinder- und Jugendtherapeut „freien Zugang zu Kindern und Jugendlichen“ gehabt habe. Polizeilich sei er zuvor nicht in Erscheinung getreten. Der Fall lag laut Reul bereits seit November 2017 bei der Kripo Minden-Lübbecke. Erst am 8. März dieses Jahres sei es zu einer ersten Durchsuchung gekommen, eine zweite folgte am 14. März, und erst seit dem 29. März sitze der Mann in Untersuchungshaft.

Die verdächtigen kinderpornografischen Fotodateien waren laut Bericht Reuls einem Servicetechniker bei der Wartung des Computers aufgefallen. Bei den Durchsuchungen wurden Mobiltelefone, Computer und andere Datenträger sichergestellt. Eine Auswertung habe ergeben, dass es sich bei vielen Bildern um kinderpornografisches Material handele. Außerdem gebe es Hinweise, dass der Tatverdächtige solches Material „auch selbst angefertigt haben könnte“. Ob der Beschuldigte seine Tätigkeit zu weiteren strafbaren Handlungen ausgenutzt habe, werde derzeit ermittelt.

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