Tüte statt Tintenfisch: Wale halten Plastikteile für Beute

von Redaktion

Hannover – Mehr als 20 Kilogramm Plastik lagen im Magen eines Pottwals, der kürzlich tot vor der Küste Sardiniens entdeckt wurde. Das Baby im Bauch des acht Meter langen Weibchens war bereits verwest. Wie viele Meeressäuger durch die ständig wachsende Menge an Plastik in den Weltmeeren zugrunde gehen, ist unklar. „Die Dunkelziffer ist vermutlich groß, weil viele Tiere auf dem offenen Meer verenden und uns somit nicht zur Untersuchung zur Verfügung stehen“, sagt Bianca Unger von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Ob ein Wal tatsächlich an Plastik verendet ist, lasse sich nicht in jedem Fall bestimmen, sagt Unger. Bei einer Menge von 40 Kilogramm könne man aber davon ausgehen, dass der Wal vermutlich verhungert sei. „Da ist das Problem, dass die Tiere ein Sättigungsgefühl haben, weil ihr Magen voll ist, der Müll sie aber nicht mit den nötigen Nährstoffen versorgt.“ Auch Verletzungen durch scharfkantige Plastikteile oder Schnüre seien erkennbar. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund rief schon 2014 „Kein Plastik Meer“ zum Jahresmotto aus. Michael Dähne, Kurator für Meeressäugetiere, vermutet, dass tief tauchende Wale wie Pottwale Plastikteile über ihre Echo-Ortung irrtümlich für Beute halten. „Die Reflexion ähnelt ihrer Hauptnahrung Tintenfische.“

Nach Schätzungen landen weltweit jährlich rund fünf bis 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren. Die Plastikproduktion nehme immer noch zu, sagt Bernhard Bauske von der Umweltschutzorganisation WWF. Hunderte Tierarten werden dem Biologen zufolge durch Plastikmüll geschädigt. Gut dokumentiert sei dies bei Eissturmvogel und Albatros. So fanden sich in deutschen Nordseegewässern bei 60 Prozent der untersuchten Eissturmvögel zu viele Plastikpartikel im Magen. Meeresschildkröten verwechseln Kunststofftüten mit Quallen, von denen sie sich sonst ernähren, und verenden. Es gibt Bilder von Schildkröten, deren Panzer von Plastik eingeschnürt und verformt sind. Wale, Robben und Seehunde verfangen sich in sogenannten Geisternetzen aus Plastik, die Fischern verloren gehen oder absichtlich weggeworfen werden.

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