Hunde erkennen Krampfanfälle am Geruch

von Redaktion

Hunde sind geborene Schnüffler: Mit ihrer feinen Nase spüren sie nicht nur Drogen auf. Damit können sie auch gesundheitliche Notfälle erkennen – etwa einen drohenden epileptischen Anfall, wie Forscher nun herausgefunden haben.

VON ANDREA EPPNER

München – Mitten auf einer Treppe kippt eine Frau plötzlich um. Ohnmächtig stürzt sie die Stufen hinunter, verletzt bleibt sie unten liegen, blutet. Ihr Körper zuckt unkontrolliert, aus ihrem Mund läuft schaumiger Speichel: ein schwerer Krampfanfall, wie er viele Epileptiker ohne Vorwarnung trifft. Nur manche Patienten spüren es, wenn sich ein Anfall ankündigt. Sie können sich dann noch schnell hinsetzen – um Schlimmeres zu verhindern.

Andere könnten von Helfern auf vier Pfoten profitieren: Epilepsie-Warnhunde haben ein besonderes Gespür für einen drohenden Krampfanfall – und zeigen das auch dem Betroffenen, zum Beispiel, indem sie ihn anstupsen. Vor allem für Patienten, die trotz Medikamenten häufig Anfälle haben, können sie daher eine echte Hilfe sein.

Was genau die Hunde dabei bemerken, ist allerdings unklar: Verändert sich kurz vor einem Anfall der Geruch? Oder erkennt der Hund vielleicht, dass sich der Patient unbewusst anders verhält? Eine Antwort liefern jetzt Forscher aus Frankreich mihilfe von Hunden aus den USA, wie das „Deutsche Ärzteblatt“ berichtet: Die Tiere erkennen einen Anfall wohl tatsächlich am Geruch.

Darauf deutet ein Versuch hin, bei dem sich Vierbeiner und Patienten nie begegnet sind: In einer französischen Klinik wurden Schweißproben von fünf Patientinnen genommen, die alle zu häufigen Krampfanfällen neigen. Diese leiden nämlich an einer genetischen Störung oder einer Fehlbildung des Gehirns. Dazu wurde der Schweiß von der Handinnenfläche mit einem Baumwolltuch abgetupft – und zwar einmal während eines Anfalls, viermal in Ruhe und zweimal nach dem Sport. Die Tücher schickte man in die USA – nach Indianapolis, wo Epilepsie-Warnhunde daran schnüffeln durften.

Das Ergebnis: Bei allen fünf Patienten fanden die Hunde jeweils nur eine Schweißprobe sehr interessant – und zwar die, die während eines Anfalls genommen worden war. An allen anderen Tüchern schnüffelten sie nur wenige Sekunden. Damit liegt die Trefferrate in diesem Experiment sogar höher als etwa bei Diabetes-Warnhunden, berichtet Forscherin Amélie Catala von der Universität der Stadt Rennes. Allerdings müssten sich die Ergebnisse erst in weiteren Studien bestätigen, zumal die Zahl der Teilnehmer sehr klein war.

Unklar ist zudem, was genau die Hunde erschnüffelt haben: Zu einem epileptischen Anfall kommt es, wenn sehr viele Nervenzellen gleichzeitig elektrische Signale leiten. Forscherin Catala vermutet, dass bei einem solchen „elektrischen Sturm“ im Kopf besonders viele Botenstoffe freigesetzt werden – und die gelangen über den Blutstrom schließlich auch in den Schweiß und verändern so den Geruch. Für Menschen ist diese minimale Veränderung nicht wahrnehmbar. Hunde können deutlich besser schnuppern. Das liegt an der großen Zahl an Riechzellen in ihrer Nase: Je nach Rasse haben sie bis zu 220 Millionen davon, Menschen dagegen nur etwa fünf Millionen.

Ihre Supernase macht Hunde zu begehrten Assistenten für viele kranke Menschen: So gibt es sogenannte Warnhunde bereits für Diabetiker. Droht deren Blutzuckerspiegel zu entgleisen, erkennt der Hund das schon früh am Geruch – und warnt Herrchen oder Frauchen durch einen Stups mit der Schnauze. Warnhunde gibt es auch für Asthmatiker und Patienten mit hohem Schlaganfallrisiko: Sie verschaffen den Betroffenen wichtige Minuten, in denen sie zum Beispiel Medikamente nehmen, sich hinsetzen oder Hilfe rufen können. Doch nur wenige Tiere haben das nötige Gespür, um beispielsweise drohende Krampfanfälle zu erkennen, heißt es beim Deutschen Assistenzhundezentrum – und erlernen könnten sie das nicht.

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