Weniger Taschengeld, mehr Streaming

von Redaktion

Kinder leben zunehmend digital – aber 75 Prozent lesen regelmäßig Bücher

Berlin – Kinder in Deutschland müssen mit weniger Taschengeld als noch vor zwei Jahren auskommen. Das geht aus einer repräsentativen Studie im Auftrag von sechs Zeitschriftenverlagen über das Konsumverhalten von Heranwachsenden hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Hinweise für weniger Konsum bei Kindern sehen die Experten aber nicht. Stattdessen gehen sie davon aus, dass Familien zunehmend Handyverträge abschließen oder digitale Käufe für ihre Kinder übernehmen. Dies könnten beispielsweise Filmdownloads oder Computerspiele sein, wie Malte Riken aus der Leitung des Zeit-Verlags sagt.

Im Schnitt 20,52 Euro monatlich bekamen Kinder zum Umfragezeitpunkt im Frühjahr 2019. Das sind laut Kinder-Medien-Studie 2019 rund vier Euro weniger als noch vor zwei Jahren. Konkrete Gründe dafür, warum Kinder inzwischen weniger Taschengeld zur Verfügung haben, liefert die Studie aber nicht.

Acht von zehn Kindern heben ihr Erspartes der Studie zufolge nicht lange auf – sie geben das Geld am liebsten gleich wieder aus. Davon kaufen sie sich bevorzugt Süßigkeiten, aber zum Beispiel auch Zeitschriften. Auf Papier lesen mit 72 Prozent noch fast drei Viertel aller 4- bis 13-Jährigen regelmäßig Bücher und Zeitschriften. Elektronische Geräte wie E-Book-Reader finden sich dagegen nach der am Dienstag vorgestellten Kinder-Medien-Studie 2019 kaum in dieser Altersgruppe. Umgekehrt heißt das aber auch, dass ein gutes Viertel nur selten oder gar nicht zum guten alten Buch greift.

Elektronische Medien wie Filme, Serien, Musik und Hörspiele schlagen bei Kindern Bücher, Zeitschriften oder Comics am Ende doch deutlich: 94 Prozent schauen mindestens mehrmals pro Woche Filme, Serien oder Fernsehsendungen, 90 Prozent hören ebenso oft Musik, Radio, Hörspiele oder Hörbücher. Demgegenüber lesen nur 76 Prozent im selben Maße Bücher, Zeitschriften, Magazine oder Comics.

Hinter der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal erstellten Studie stehen die Verlagshäuser Blue Ocean Entertainment, Egmont Ehapa Media, Gruner + Jahr, Panini Verlag, Spiegel-Verlag und Zeit Verlag. Befragt wurden 502 Erziehungsberechtigte von 4- bis 5-Jährigen sowie 2.000 ebenfalls repräsentativ ausgewählte 6- bis 13-Jährige zusammen mit einem Erziehungsberechtigten.

Die Ergebnisse können manch einen Erwachsenen aufatmen lassen: Kinder finden demnach eine Balance zwischen der digitalen und der analogen Welt. Tüfteln, Basteln und klassische Gesellschaftsspiele sind neben Smartphone, YouTube & Co. weiterhin gefragt. Die große Mehrheit verbringt Freizeit mit Freunden (89 Prozent) und spielt im Freien (83 Prozent). Auch klassisches „Spielen“ gehört für etwa zwei Drittel (63 Prozent) fest zum Wochenprogramm.

Etwas weniger als die Hälfte der Befragten gab hingegen jeweils an, mindestens mehrmals pro Woche YouTube zu schauen oder im Internet zu surfen. Aus Sicht der Verfasser der Studie liegt das nicht am Geben sozial erwünschter Antworten. So würden sich Kinder noch nicht verhalten, argumentieren sie.

Zu den (Streit-)Themen zwischen vielen Eltern und Kindern dürfte heutzutage das Smartphone gehören. Laut Studie will eine Mehrheit der 6- bis 9-Jährigen eins haben (57 Prozent), bekommt es aber nicht immer: Nur 31 Prozent besitzen in diesem Alter bereits ein eigenes Gerät. Unter den 10- bis 13-Jährigen sind es dann aber schon 82 Prozent.

Für Kinder sei das Smartphone ein Instrument, um in Kontakt bleiben zu können, schreiben die Studienautoren. Das gilt wohl auch für die allermeisten Erwachsenen. 92 Prozent der 6- bis 13-Jährigen nutzen das Smartphone zum Telefonieren, 70 Prozent schreiben Textnachrichten und 49 Prozent schicken Sprachnachrichten. Immerhin 43 Prozent posten bereits Bilder oder ihren Status. Immer wichtiger werde für Kinder auch der Kommunikationsdienst WhatsApp.

Mit zunehmendem Alter steigt unter Kindern zudem auch die Nutzung kostenloser Videodienste wie YouTube oder Vimeo. Kostenpflichtige Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime würden hingegen erst ab 12 Jahren einigermaßen interessant, die Angebote von Mediatheken, etwa von Fernsehsendern, ab 13 Jahren, heißt es. Auch die Nutzung von Musik- und Hörbücher-Anbietern nimmt bei den Älteren zu. Gleiches gilt zum Beispiel für MP3-Player.  kna, dpa

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