DREI FRAGEN AN
Immer und überall erreichbar sein. „Das muss man gar nicht“, sagt Bürgermeister Josef Taffertshofer (59) aus Wildsteig im Kreis Weilheim-Schongau (1280 Einwohner). Wir fragten nach:
Warum verzichten Sie auf ein Handy?
Mir ist meine Gesundheit wichtiger als ein Handy. Da gibt es für mich zu viele Unbekannte. Man weiß zu wenig, was durch die Strahlung passieren kann. Außerdem spielt die Glaubwürdigkeit für mich eine wichtige Rolle. Wir haben bisher erfolgreich einen Sendemasten im Ort verhindert. Es wäre unglaubwürdig, wenn ich mich gegen einen Masten in Wildsteig einsetze, aber ein Handy nutze. Ich finde auch, dass ich eine Vorbildfunktion für die Jugend habe, dass man nicht unbedingt ein Handy braucht. Sie verbringen so viel Zeit am Handy. Die Bewegung kommt da oft zu kurz. Ich prognostiziere, dass viele von ihnen später unter Haltungsschäden und psychischen Problemen leiden werden.
Wie reagieren Ihre Dorfbewohner darauf, dass Sie nicht per Handy erreichbar sind?
Mich hat noch niemand darauf angesprochen, dass ich kein Handy besitze. Ich bin jeden Vormittag im Rathaus und da zuverlässig erreichbar. Das wissen die Wildsteiger, deswegen rufen sie mich auch nur selten noch daheim an. Ich sehe keine Notwendigkeit, mir ein Handy anzuschaffen.
Werden Sie sich unter Umständen doch irgendwann ein Handy anschaffen?
Ich will es nicht ausschließen, aber momentan glaube ich nicht daran. Ich genieße die Freiheit und habe bisher nur selten Situationen erlebt, in denen ich dachte, dass ein Handy nützlich wäre. Und dann würde ich mich aufs Telefonieren beschränken. Informationen bekommt man auf vielen Wegen, dafür braucht man kein Handy. Wir sind sowieso einer Informationsflut ausgesetzt. Lieber ein bisschen weniger, das ist oft mehr. Interview: Elena Siegl