Handy-Strahlen: Das raten die Experten

von Redaktion

Stiftung Warentest überprüft Mobilfunk-Studien und gibt Entwarnung

München – Wie gefährlich sind Mobilfunkstrahlen? Dazu gibt es zahlreiche Studien – mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Anlass für die Stiftung Warentest, die gesamte Studienlage zu Mobilfunk und Gesundheit zu sichten und in einer Expertenrunde zu überprüfen (aktuelle „test“-Ausgabe). Das Fazit: Nach aktuellem Stand der Forschung bestehe kaum Grund zur Sorge. Daran ändere auch der Ausbau des 5G-Netzes nichts.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Langzeitstudien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass die Gesamtzahl an Hirntumoren trotz der enormen Verbreitung von Handys nicht nennenswert gestiegen ist. Da Krebs oft langsam entsteht, werden Wissenschaftler hier weiter forschen. Fazit der Stiftung Warentest: vermutlich geringe Restrisiken.

Auch die neuesten Tierstudien wurden unter die Lupe genommen. Im vergangenen Jahr hatten Forscher mehrere tausend Ratten und Mäuse Mobilfunkstrahlung ausgesetzt – am ganzen Körper, täglich rund neun Stunden und das zwei Jahre lang. Wissenschaftler aus Italien gingen ähnlich vor. Die Interpretation der Ergebnisse gestaltete sich allerdings schwierig: Beide Studien fanden Hinweise auf eine Zunahme an Hirntumoren, noch deutlicher war der Zusammenhang mit Tumoren am Herzen. Aber: Der Effekt zeigte sich bei der US-Studie zum einen nur bei männlichen Ratten – zum anderen lebten diese Tiere länger als die unbestrahlten Ratten. Zudem waren die erhöhten Krebsraten oft so klein, dass es auch Zufall gewesen sein könnte. Unabhängige Toxikologen untersuchten im Auftrag der Stiftung Warentest nun die Ergebnisse: „Eine praktisch relevante Gesundheitsgefährdung von Menschen lässt sich dadurch nicht ableiten.“

Schadet das Handy in der Hosentasche den Spermien? Nach Meinung der Tester kann man den Effekt als „gering“ einstufen. Studien, die bei diesem Thema zu einem anderen Schluss kämen, hätten methodische Schwächen. Der Qualität der Spermien würden zudem viele weitere Einflüsse der modernen Welt schaden – wie Pestizide, Rauchen, Übergewicht und Stress.

Können Handystrahlen Kopfschmerzen verursachen? Fachleute sprechen hier von „Elektromagnetischer Hypersensitivität“. Betroffene klagen über Kopfschmerzen, Konzentrations- und Schlafprobleme, Erschöpfung und Depressionen. Ob aber wirklich Mobilfunk-Strahlen die Ursache sind, ist umstritten. Eine österreichische Studie kam 2015 zum Schluss: In bisherigen Studien reagierten Personen vor allem dann empfindlich, wenn sie wussten, dass sie bestrahlt wurden. Allerdings sehen Experten auch hier noch Forschungsbedarf – zumal elektrosensible Patienten einen erheblichen Leidensdruck haben.

Was ist mit den Handymasten? Auch die Mobilfunkantennen, die in jedem Ort stehen, beunruhigen viele Anwohner. Die Antennen machen Studien zufolge nur einen Bruchteil der Strahlenbelastung aus: Vier Prozent der Mobilfunkstrahlung, die das Gehirn abbekommt, stammte aus „körperfernen“ Quellen wie eben den Sendemasten. Also: Die größte Belastung erzeugen immer noch die Handys selbst – vor allem beim Telefonieren, wenn der nächste Mast weit weg ist und sie für die Verbindung intensiv senden müssen. „Daher kann eine hohe Zahl an Sendemasten sogar helfen, die Gesamtaufnahme zu senken“, so die Stiftung Warentest.

Wer vorbeugen möchte, kann aber trotzdem einiges tun. Insbesondere für Kinder sind Schutzmaßnahmen dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zufolge besonders wichtig, weil für sie erst vergleichsweise wenige Studien zu möglichen gesundheitlichen Folgen vorliegen. Zu diesen Maßnahmen raten die Warentester:

.  Empfang im Auge behalten: Handys passen ihre Sendeleistung den Gegebenheiten vor Ort an. Je schwächer das Mobilfunknetz, desto stärker müssen die Geräte funken. Wer sich schützen möchte, meidet also Telefonate bei schlechtem Empfang, wie er im Zug, in Autos ohne Außenantenne oder in mangelhaft versorgten Gebieten auftritt.

. Handy weg vom Ohr: Die Intensität elektromagnetischer Felder sinkt mit der Entfernung schnell. Bereits wenige Zentimeter machen den Experten zufolge einen riesigen Unterschied. Daher ist das Telefonieren mit einem Headset empfehlenswert. Eine weitere Alternative zum Handy am Kopf ist das Freisprechen.

. SAR-Wert vor Handykauf prüfen: SAR steht für Spezifische Absorptionsrate und bezeichnet die Menge an Energie, die durch das sendende Handy vom nahe liegenden Körpergewebe aufgenommen wird. Für jedes Handymodell ermitteln die Hersteller den SAR-Wert mit einem standardisierten Test. Eine Liste mit den Testwerten veröffentlicht das BfS online.

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