Taucher-Schiff wird zur brennenden Todesfalle

von Redaktion

Los Angeles – Für die 34 Passagiere an Bord des Ausflugsschiffs „Conception“ sollte es eine unbeschwerte dreitägige Reise mit mehreren Tauchgängen und lukullischen Genüssen vor der Küste Kaliforniens werden. Umgerechnet 600 Euro hatten die Wassersportler für den Trip bezahlt – Gourmet-Mahlzeiten und eine eher rustikale Unterbringung in Etagenbetten unter Deck inklusive. Doch für alle Gäste an Bord wurde das rund 25 Meter lange Schiff in der Nacht zu gestern offenbar zur Todesfalle. Drei Stunden nach Mitternacht brach an Bord ein Feuer aus, als die „Conception“ nahe Santa Cruz Island ankerte. Berichten der US-Küstenwache zufolge konnten sich lediglich fünf Besatzungsmitglieder retten, weil sie im vorderen Teil des Schiffs geschlafen hatten. Alle Passagiere gelten bislang als „vermisst“ – wobei die Behörden auch klarmachten: Aufgrund der Benzinvorräte an Bord brach das Feuer immer wieder neu aus, Hoffnung auf Überlebende gibt es nicht. Inzwischen ist das Schiff gesunken.

Die 1981 gebaute „Conception“ gehört zum in Santa Barbara (Kalifornien) ansässigen US-Unternehmen „Truth Aquatics“, das seit 1974 eine Flotte von drei Tauch-Schiffen betreibt und diese durch verschiedene Anbieter an Wassersportler und Unterwasser-Fotografen weltweit vermarkten lässt. Bei allen drei Booten handelt es sich um Holzkonstruktionen. Die Firma „Worldwide Diving Adventures“, die die tödliche Tour während des Labor Day-Feiertagswochenendes verkauft hatte, pries auf ihrer Internetseite an, dass die Besatzung auch ein spezielles Sicherheits-Training absolviert habe. Ob dies auch für ein Feuer an Bord und eine Evakuierung galt, war gestern noch unklar. Fest steht allerdings, dass das Layout des Bootes unter Deck eng an eng gestellte Etagen-Betten aufweist und die Passagiere nur einen einzigen schmalen Aufstieg zum Deck hatten. Die Crew war hingegen direkt an dieser Flucht-Möglichkeit untergebracht, was der Besatzung offensichtlich das Überleben möglich machte. Das Boot hatte am Samstagmorgen Santa Barbara verlassen und sollte gestern Nachmittag zurückkehren.

Als die ersten Rettungskräfte am frühen Montagmorgen rund 20 Minuten nach dem ersten Notruf bei der „Conception“ eintrafen, stand das Schiff der Küstenwache zufolge bereits in hellen Flammen. Ein Betreten des Bootes war den Rettern zunächst nicht möglich, sodass Mitglieder des „Ventura County Fire Department“ vom Wasser aus löschen mussten. Eines der fünf Besatzungsmitglieder sei verletzt geborgen worden, die anderen blieben ersten Berichten zufolge offenbar unversehrt. Unklar war gestern noch, ob sie sich durch einen Sprung ins Wasser retteten oder von Bord geholt wurden. Offiziell bezeichnete die US-Küstenwache den Status der Passagiere als „vermisst“ – bisher sei kein einziger Gast gerettet worden, hieß es. Sie alle seien an Bord „vom Feuer im Schlaf überrascht und eingeschlossen“ worden, so ein Sprecher der Küstenwache. Und: „Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen.“ Man hoffe dennoch, dass es vielleicht dem einen oder anderen Taucher doch noch gelungen sei, an Land zu schwimmen. FRIEDEMANN DIEDERICHS

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