Oslo – Blutiger Stuhlgang und/oder Erbrechen von Futter und teilweise Blut als auch ein sich deutlich verschlechternder Allgemeinzustand gehören zu den Anfangssymptomen. Der Krankheitsverlauf ist schmerzhaft und schnell. Mehrere Hunde starben in der Tierklinik Anicura bereits 24 Stunden nach dem ersten Auftreten der Symptome weg, meldete die Osloer Klinik bereits am Donnerstag. Insgesamt sind schon mehr als 25 Tiere an den Folgen der Krankheit gestorben – rund 200 Fälle gemeldet.
„Das ist eine sehr ernste Sache. Wir haben kaum Anhaltspunkte. Hunde sämtlicher Rassen und Größen, in jedem Alter, egal ob männlich oder weiblich, egal, ob sie wie Jagdhunde vor allem im Freien sind oder daheim als Schoßhündchen gehalten werden, erkranken derzeit an etwas völlig Unbekanntem“, sagt Asle Haukaas vom norwegischen Veterinäramt dieser Zeitung. Er wirkt gestresst und „hat eigentlich keine Zeit“.
Sein interdisziplinäres Team aus „rund 20“ Wissenschaftlern, darunter „alles was es gibt“ von „Veterinärmedizinern, über Serologen, Biologen, Epidemiologen, Molekularforscher, Toxikologen, Genetiker, Chemiker und Bakteriologen zerbricht sich derzeit den Kopf“ über die mysteriöse Hundeseuche. Ist sie von Hund zu Hund übertragbar und wie? ,Woher kommt sie?“, erklärt Haukaas. Man wisse dank mehrerer Obduktionen nur, dass gewisse Bakterien, die Durchfall und eine Giftstoffproduktion in Gang setzen können, gefunden wurden. Sie heißen Clostridium perfringens und Providencia alcalifaciens. Ob sie mit der Krankheit in Zusammenhang stehen, sei wie das meiste andere noch unklar. Übliche Hundekrankmacher wie Salmonellen, ausgelegtes Rattengift und alle weiteren typischen Ursachen wurden bereits ausgeschlossen. Auch historische Hundeseuchenberichte aus anderen Ländern wurden analysiert, um zu sehen, ob es Gemeinsamkeiten gibt. Bislang erfolglos.
Ob die Hundekrankheit auch nach Deutschland und Österreich kommen kann, etwa durch Norwegenurlauber mit Hund? „Ausschließen können wir es nicht oder anders gesagt, wir wissen es nicht. Wir wissen so gut wie nichts über die Krankheit, deshalb können wir keine Aussagen treffen, das ist momentan das Frustrierende“, bekennt Haukaas vom Veterinäramt gegenüber dieser Zeitung. Auch Ratschläge könne man eigentlich nicht geben, um die Ansteckungsgefahr für den eigenen Hund zu minimieren. Grundsätzlich habe man aber Hundebesitzern empfohlen, den Außenkontakt ihrer Hunde so weit wie möglich zu reduzieren, bis mehr über die Krankheit bekannt sei. „Wir hoffen bald mit neuen Erkenntnissen aufwarten zu können.“
Peter Kvalsvik hat die mysteriöse Krankheit an seiner Hündin Nomi miterlebt. Das Drama begann bereits am Mittwoch der letzten Woche. Zunächst erbrach sie nur ihr Futter. „Aber im Laufe des Tages erbrach sie immer häufiger. Im Laufe von zwei Stunden begann sie auch Blut auszuspucken“ so Kvalsvik. Er brachte Nomi zum Tierarzt und nun geht es ihr wieder gut. „Es ist wohl wichtig, so schnell wie möglich zum Tierarzt zu kommen, bei den ersten Symptomen“, rät er anderen Hundebesitzern im norwegischen Rundfunk.
Die 46-jährige Osloer Schriftstellerin Hilde Solheim ist wie alle norwegischen Hundebesitzer mehr als beunruhigt, „Ich habe richtig, richtig Angst. Für uns gehören unsere Hunde zur Familie, wir haben Angst sie zu verlieren“; sagt Hilde Solheim, während sie mit ihrem Jämthund Jonas und den zwei Dachsen Enra und Trine spielt. Ich halte sie jetzt immer an der Leine und sie dürfen keinen Umgang mit anderen Hunden haben“, sagt sie gegenüber dem Sender NRK. „Für mich sind sie wie Menschen und nicht einfach nur Hunde“, sagt sie traurig.
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