Geisenheim – Trüffel stammen üblicherweise aus Italien, Frankreich oder Spanien. Bislang. Denn auch in Deutschland steht einem Anbau nach Einschätzung von Experten nichts im Weg.
Nach ersten erfolgreichen Ernten auf Trüffelplantagen sehen Experten gute Entwicklungschancen für den Anbau des Edelpilzes in Deutschland. Seit rund zehn Jahre wachse die Zahl der Trüffel-Pflanzungen, sagt Ulrich Stobbe vom Verband für Trüffelanbau und Nutzung. „Die Idee verbreitet sich.“ Wie im europäischen Ausland werde sich mit dem Anbau auch in Deutschland Geld verdienen lassen, prognostiziert der Forstwissenschaftler. „Im Moment sind die Leute aber schon noch Pioniere.“ In den Anlagen wachsen speziell geimpfte Wirtsbäume, an deren Wurzeln sich Trüffel entwickeln sollen.
Der Trüffelverband mit seinen mehr als 100 Mitgliedern trifft sich dieses Wochenende zu seiner jährlichen Tagung in Geisenheim im Rheingau. Im Fokus stehen die Auswirkungen des Klimawandels. „Bei Dauerkulturen muss ich in die Zukunft schauen“, sagt Claudia Kammann, Professorin für Klimafolgenforschung an der Hochschule Geisenheim. „Wir werden in 30 Jahren ein ganz anderes Klima haben als heute.“ Davon seien auch die Wirtsbäume der Trüffel betroffen.
Bäume und Pilze leiden unter extrem trockenen Phasen, erläutert Stobbe. „Für die Anlagen könnte dies bedeuten, dass sie weniger Ertrag bringen.“ Der Verband forsche daher intensiv, wie eine Pflanzung sinnvoll in trockenen Phasen bewässert werden kann. Die Ernte der Trüffel sei nicht so planbar wie bei anderen Kulturen, erklärt Stobbe. Die Pilzfreunde müssen bei einer neuen Anlage auch Geduld mitbringen: Es dauert rund sieben Jahre, bis die ersten Trüffel ausgegraben werden – am besten mithilfe eines Trüffelhundes.
Hauptanbauländer sind bislang Frankreich, Italien und Spanien. Kulturen gibt es auch in Schweden oder England. „Deutschland liegt mitten im natürlichen Verbreitungsgebiet des Burgundertrüffels“, sagt Stobbe. Der Pilz brauche kalkhaltige Böden und komme auch in freier Natur vor. Alle Trüffelarten stehen in Deutschland unter strengem Schutz und dürfen nicht gesammelt werden. Angebaute Trüffel sind davon ausgenommen.
Trüffel-Experte Stobbe geht davon aus, dass rund 60 Tonnen Trüffel im Jahr in Deutschland vermarktet werden – alle importiert. „Mit einem regionalen Angebot wird die Nachfrage wachsen.“ Zu dem Ergebnis kam auch eine Umfrage unter Köchen. Kunden der gehobenen Gastronomie schätzten „Frische und Regionalität“. dpa