Krems – Wegen Mordes durch Unterlassen ermittelt die Staatsanwaltschaft im niederösterreichischen Krems gegen ein deutsches Ehepaar. Die neunköpfige Familie lebte dort in einem kleinen Ort im Waldviertel.
Das 13-jährige Mädchen war Ende September gestorben. Woran genau, war zunächst noch nicht klar. Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Krems lag am Samstag noch kein Gutachten der Rechtsmedizin vor. Laut der „Kronen Zeitung“ litt die 13-Jährige an einer chronischen Entzündung und starb Ende September. Ein Ermittler erklärte, es habe sich dabei um eine eher harmlose Erkrankung gehandelt, die aber bei Nichtbehandlung tödlich ist. Die Eltern sind laut österreichischen Medien streng gläubig und sollen keine ärztliche Hilfe für ihr Kind zugelassen haben.
Sie sind seit etwa zwei Wochen in Haft, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Krems am Samstag auf Anfrage. In die Ermittlungen ist auch das Landeskriminalamt Niederösterreich eingeschaltet.
Laut dem Internet-Portal Oe 24 unterrichteten die Eltern ihre Töchter und Söhne zu Hause, die Kinder besuchten keine Schule. In Haft habe die Mutter inzwischen bereits ihr achtes Kind zur Welt gebracht. Die größeren Kinder wurden nach der Festnahme der Eltern gemeinsam in eine Betreuungseinrichtung in Niederösterreich gebracht.
Der Fall verursachte am Wochenende großen Wirbel in Österreich. „Der Tod des jungen Mädchens ist eine Tragödie. Die Kinder- und Jugendhilfe Niederösterreich hatte in der Vergangenheit lose Kontakte zur Familie, um diese bei der Kindererziehung zu unterstützen. Zuletzt gab es aber keinen Anlass dafür“, sagt Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig von der SPÖ. Von Seiten der Sozialarbeiter habe es keine Bedenken mehr gegeben, deshalb wurde die Familie nicht mehr betreut. Man sei davon ausgegangen, das Wohl der Kinder sei nicht gefährdet.
Immer wieder machen Eltern Schlagzeilen, die aus religiösen Gründen ihren schwer kranken Kindern eine notwendige medizinische Behandlung verwehrt haben.
So etwa 2012 in London, wo ein fünf Monate alter Junge an einer Knochenerweichung als Folge von Vitaminmangel starb. Die Eltern hatten als Angehörige der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten aus religiösen Gründen eine Behandlung abgelehnt. Sie wurden 2014 wegen Totschlags zu zwei beziehungsweise drei Jahren Haft verurteilt. 2008 starb ein elfjähriges Mädchen im US-Bundesstaat Wisconsin an einer nicht behandelten Diabetes. Seine Eltern – streng gläubig – hatten für es gebetet, statt einen Arzt zu rufen. S. SASSE