Karlsruhe/Speyer – Im Kampf gegen die Übertragung tropischer Viren durch Mücken hoffen Experten auf die Hilfe der Bevölkerung. Das betonte Norbert Becker von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage in Speyer. Anders als etwa die noch relativ seltene Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sei die Hausmücke (Culex pipiens) überall. „Die kriegen wir nicht los, wir können sie nur eindämmen“, sagte Becker.
Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland von heimischen Mücken übertragene West-Nil-Virus-Infektionen nachgewiesen wurden, seien konventionelle Methoden gefragt: Von der Regentonne über die Gießkanne zur Vogeltränke – offene Wasserstellen in Gärten seien Brutstätten für Haus- wie Tigermücken und müssten ausgetrocknet oder abgedeckt werden. Der Experte empfiehlt auch BTI-Tabletten für Regenfässer. Der biologische Wirkstoff zerstört den Darm von Mückenlarven und tötet sie.
Um die genauen Übertragungswege festzustellen, sind nach Ansicht des professionellen Mückenjägers mehr Forschungen nötig – in jedem Fall aber eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Behörden und Mückenforschern. So gelte die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) für die Übertragung des West-Nil-Virus als Überträger.
Und was ist mit der Tigermücke? Die zugereiste Stechmücke ist zwar nicht so häufig, kann Becker zufolge aber mehr als 20 Virenarten übertragen. Die vor allem in Italien schon weitverbreitete Mückenart, die vom Atem und Schweiß des Menschen angelockt werde, sei inzwischen in mehreren Gebieten heimisch. Um Brutstätten trockenzulegen, „gehen wir von Haus zu Haus“, sagt Becker. „Es ist wichtig, dass alle mitmachen. Ein oder zwei Grundstücke können ganze Gebiete verseuchen.“ Grund zur Panik gibt es nach seinen Worten zwar nicht. Aber gerade die Tigermücke müsse man im Auge behalten.
Die Forscher tun dies schon seit Jahren. Sie wollen die Ausbreitung der Art auch mithilfe sterilisierter Männchen eindämmen. Einige 100 000 Exemplare haben sie zwischen April und Oktober ausgesetzt. „Es scheint sehr gut zu funktionieren“, meint Becker. Die Experten sind auf Hilfe der Bevölkerung angewiesen: „Wenn die Leute etwas Eigenartiges entdecken, sofort melden, so dass wir aktiv werden können“, appelliert Becker.
Es sei damit zu rechnen, dass sich das West-Nil-Virus in Deutschland weiter etabliere und es in den kommenden Jahren vor allem in überdurchschnittlich warmen und längeren Sommern zu weiteren Erkrankungsfällen bei Menschen kommen werde, hieß es vom Robert Koch-Institut in Berlin. In etwa 80 Prozent der Fälle verläuft eine West-Nil-Virus-Infektion ohne Symptome und wird daher nicht erkannt. Schwerere und tödliche Verläufe betreffen meist ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
Anders als das West-Nil-Virus kann Zika nicht von heimischen, sondern nur von exotischen Mücken wie der Asiatischen Tigermücke übertragen werden, die einen sehr erfolgreichen Zug gen Norden angetreten hat und von der es eine Population in München gibt. Anders als heimische Mücken nutzen sie häufig kleine Wasserreservoirs etwa in Untersetzern von Blumentöpfen.
Das Vorkommen von Tigermücken bedeutet aber nicht automatisch erhöhte Gefahr. Ein entscheidender Faktor ist die Temperatur, da sich die Viren nur bei Hitze gut in den Mücken vermehren können. Es gehe um Temperaturen, die bei uns selbst im Sommer eher selten erreicht würden, sagte Klaus Stark vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Anders als die Gelbfiebermücke sei die Tigermücke nach derzeitigem Wissensstand nicht in der Lage, große Zika-Ausbrüche zu verursachen, so Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Übertragen wird von Tigermücken aber auch das Chikungunya-Virus, das wahrscheinlich auch das gefährlichste für Deutschland sei. „Es kann sich auch bei gemäßigten Temperaturen gut in den Mücken vermehren.“ Der Erreger verursacht lang anhaltende Gelenkbeschwerden etwa in der Hand, die oft als rheumatische Erkrankung verkannt werden.