Ein Abend der großen Gefühle

von Redaktion

In Baden-Baden wurden die Bambis verliehen – Der Preis fürs Lebenswerk ging an Frank Elstner

VON KATJA KRAFT

Der Ort ist auch eine Verneigung. Vor Frank Elstner, der gestern Abend den Bambi für sein Lebenswerk entgegennehmen darf. In seiner Heimatstadt, Baden-Baden. Sichtlich gerührt steigt der 77-Jährige auf die Bühne. „Mein Freund, diesen Applaus hast du dir über viele Jahre verdient“, betont Kai Pflaume in seiner Laudatio. Und Elstner ist ehrlich überrumpelt: „Für mich ist das eine Überraschung. Meine Frau, die sonst alles spürt, was auf uns zukommt, hat auch nichts gemerkt.“

Er kann es kaum erwarten, sich zu bedanken. Während Pflaume noch schwärmt, erwidert der Geehrte ungeduldig: „Darf ich denn jetzt auch Danke sagen?“ Platt sei er. Und er freue sich am meisten darüber, dass seine Frau ihn anlacht. „Obwohl sie mir später wieder sagen wird, die Hose war zu lang. Pass’ weiter auf mich auf, dann geht’s noch eine Weile“, wagt er eine rührende Liebeserklärung. Wer, wenn nicht Thomas Gottschalk sollte dem „Wetten, dass..?“-Erfinder die Trophäe überreichen? „Ich verdanke dir meine Karriere. Als Mensch wirst du mein Vorbild bleiben“, sagt er. Noch mehr Liebeserklärung. Was für ein Beginn der 71. Bambi-Verleihung! Die geprägt ist von Herzlichkeit und Wärme.

Manche Preisträger waren schon vor der Verleihung bekannt. Doch Schauspielerpreise sind traditionell für alle Nominierten und Zuschauer Überraschungen. Nominiert in der Kategorie „Schauspielerin National“ sind Jella Haase (aktuell im Kino in „Das perfekte Geheimnis“), Alexandra Maria Lara (aktuell im Kino in „Der Zukunft zugewandt“) und Luise Heyer („Der Junge muss an die frische Luft“). Etwas parteiisch scheint Preis-Überbringer Franz Dinda, wenn er Heyer besonders lobt, mit der er einst in „Westwind“ spielte. „Du wirst die Zukunft des deutschen Films mitgestalten, denn was du machst und wie du’s machst, ist einzigartig!“ Seine Stimmbänder zittern, als er die Gewinnerin verkündet: Luise Heyer. Und obwohl man auch als Autorin unparteiisch sein sollte, muss man doch festhalten: völlig zu Recht. Heyers Spiel wirkt lange nach. Die Filmausschnitte, die folgen, beweisen es. Ihre so ehrliche Dankesrede ebenso.

Die möglichen Publikumspreisträger stellen sich gemeinsam vor: Lena Meyer-Landrut, Nico Santos und Max Giesinger, der am Ende die Nase vorn hat, singen zusammen und werben so jeder für sich um die Stimmen der Zuschauer. Bevor eine der Königsdisziplinen folgt: „Film National“. Nominiert sind „25 km/h“, „Das perfekte Geheimnis“ und „Der Junge muss an die frische Luft“. Und es gewinnt nicht der künstlerisch stärkste, sondern der publikumswirksamste Kandidat. „Das perfekte Geheimnis“ räumt gerade nicht nur an den Kinokassen, sondern auch beim Bambi ab. Elyas M’Barek nutzt denn auch die Gelegenheit, eine Bitte an die Zuschauer zu richten: „Wir freuen uns über jeden, der ihn noch anschaut.“ Na, dann.

Die Gewinner-Komödie ist eine Münchner Produktion: Constantin hat „Das perfekte Geheimnis“ ins Kino gebracht. Doch das ist nicht der einzige bayerische Gewinner an diesem Abend. Die Bayerinnen Uschi Glas und Michaela May sowie die österreichische Nachbarin Gaby Dohm dürfen sich über den Ehrenpreis der Jury freuen. Jahrzehntelange Filmgeschichte vereint auf einer Bühne – doch strahlend wie immer! Heißt es jetzt eigentlich „das Bambi“ oder „der Bambi“, fragen sich die charmanten Damen. Völlig egal, was zählt ist: Sie haben ihn sich verdient.

Die Bambi-Verleihung im Jahr 2019 kann selbstverständlich nicht am Mauerfall-Jubiläum vorbeischauen. Die Gala feiert das 30-Jährige mit einem emotionalen Plädoyer für Europa. Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Union, schließt sich dem mit einer Erinnerung an die „starke Frau“ Europa an und erinnert daran, wie wenig selbstverständlich es ist, dass wir hier in Deutschland seit Jahrzehnten in Frieden leben.

Dann dürfen sich mehrere europäische Studenten in ihren Landessprachen bei Europa bedanken. Eine Liebeserklärung an die EU! Die 71. Bambi-Gala hat bewiesen, dass sie ihren selbstgestellten Anspruch ernst nimmt: Entwicklungen der Zeit wahrnehmen, mahnen – aber auch feiern. Menschlichkeit und Toleranz.

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