Goslar – Lichthupe, Schimpfen, wildes Gestikulieren: Das sind noch die harmloseren Beispiele für Aggressivität im Straßenverkehr. „Es wird aber auch hemmungslos gerast, gedrängelt und gedroht“, sagt Elisabeth Schnell von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Mitunter werde das Auto sogar als Waffe eingesetzt. In einer im September 2019 veröffentlichten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach beklagen inzwischen 90 Prozent der befragten Verkehrsteilnehmer eine zunehmende Aggressivität. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat vor allem junge Männer als Aggressoren ausgemacht. „Hier gibt es häufig auch Querverbindungen zur Raser-Szene“, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Mertens.
Objektive Kriterien für eine Zunahme der Aggressivität im Straßenverkehr gibt es nach Darstellung der Bundesanstalt für Straßenwesen allerdings nicht. Und der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, sagt: „Aggression wird subjektiv empfunden und ist deshalb nicht in Zahlen zu fassen.“ Ähnlich sieht man es beim ADAC. Ob die Aggressivität im Straßenverkehr tatsächlich zugenommen habe, sei schwer zu messen, sagt Vizepräsident Verkehr Gerhard Hillebrand. „Aggressives Verhalten hat es schon früher gegeben“, sagt DPolG-Sprecherin Schnell. „Durch die zahllosen Handyaufnahmen, die durchs Netz gehen, sind die Bilder aber jetzt sichtbarer geworden.“ Der Automobilclub von Deutschland (AvD) bezweifelt auch eine Zunahme von Aggressionsdelikten. Darauf deute die Flensburger Verkehrssünderdatei hin, sagt Sprecher Herbert Engelmohr. Wenn dennoch über eine Zunahme der Aggressivität gesprochen werde, liege das an der zunehmenden Verkehrsdichte, sagt Unfallforscher Brockmann. Der zunehmende Autoverkehr und immer größere Autos seien dafür verantwortlich, dass es auf den Straßen immer enger werde, sagt Stephanie Krone vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).
Erforderlich sind nach Ansicht des Verkehrssicherheitsrats in jedem Fall eine gezielte Verkehrsüberwachung und eine konsequente und spürbare Sanktionierung aggressiver Fahrer. Der ADAC fordert eine bessere Ausstattung der Polizei und verstärkte Kontrollen. Zur Eindämmung der Aggressivität sollten zudem die Bußgelder erhöht und der Punktekatalog verschärft werden, meint der ACE Auto Club Europa. Und ein ADAC-Sprecher sagt, man müsse die Gruppe der dauerhaft aggressiven Verkehrsteilnehmer rasch identifizieren, um strafrechtlich und verkehrspsychologisch auf sie einwirken zu können.