Die Spur führt zum Schuppentier

von Redaktion

Expertengipfel der WHO in Genf: Fieberhafte Suche zur Quelle des Coronavirus

Genf – Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Welt angesichts des in China grassierenden neuen Coronavirus zur Solidarität aufgerufen. „Es geht jetzt nicht um Publikationen, Patente und Profite“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus am Dienstag zum Auftakt eines zweitägigen Expertengipfels in Genf. „Jetzt geht es darum, den Ausbruch zu stoppen und Leben zu retten.“

Die weltweit führenden Fachleute wollen sich in Genf unter anderem mit Therapien, der möglichen Quelle des Virus und seiner Übertragbarkeit befassen. Am Dienstag einigten sie sich auch auf eine neue Bezeichnung. Das neuartige Coronavirus trägt nun offiziell den Namen „Covid-19“. „Co“ steht für „Corona“, „vi“ für „Virus“ und „d“ für „disease“ (Krankheit). Der Name ersetzt die bisherige Bezeichnung 2019-nCoV.

Bei der Suche nach dem Weg, wie das Virus erstmals auf Menschen übertragen wurde, gilt derzeit das Schuppentier als möglicher Kandidat. Laut der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua haben Forscher der Südchinesischen Landwirtschaftlichen Universität mehr als tausend Proben von verschiedenen Wildtieren genommen. Dabei hätten sie festgestellt, dass die Gensequenz von Viren, die bei Schuppentieren auftraten, zu 99 Prozent mit der des neuen Coronavirus übereinstimme.

Das in Asien und Afrika beheimatete, auch Pangolin genannte Säugetier gilt in China als Delikatesse und hat auch Bedeutung in der traditionellen chinesischen Medizin. Seine Hornschuppen finden Verwendung als Aphrodisiakum und Antiseptikum. Sie kommen bei Vergiftungen, Entzündungen, Rheuma, Asthma, Durchblutungsstörungen und inzwischen auch zur Behandlung von Brustkrebs zum Einsatz. Dabei bestehen die Schuppen ausschließlich aus dem Stoff Keratin, aus dem auch menschliche Fingernägel sind.

Das Schuppentier ist laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) das meistgehandelte Wildtier der Welt. Mehr als eine Million Exemplare wurden demnach in den vergangenen zehn Jahren für den Verkauf in China und Vietnam gejagt.

Im Januar ordnete die chinesische Regierung wegen der Coronavirus-Epidemie einen vorläufigen Stopp des Handels mit Wildtieren an. Sie standen schnell im Verdacht, eine Quelle des neuen Virus zu sein. Auf einem Markt in der chinesischen Stadt Wuhan, wo mit Wildtieren gehandelt wurde, soll das Virus auf den Menschen übergesprungen sein.

Schon die Sars-Epidemie, an der in den Jahren 2002 und 2003 in Festlandchina und Hongkong hunderte Menschen starben, wurde auf Wildtiere zurückgeführt. Damals soll die in China ebenfalls als Delikatesse gehandelte Zibetkatze der Ursprung gewesen sein. Für das Mers-Virus, das 2012 vor allem auf der Arabischen Halbinsel auftrat, werden Dromedare als tierische Wirte vermutet, von denen das Virus auf den Menschen übertragen wurde.

Das neue Coronavirus, das seit seinem Ausbruch im Dezember mehr als 1000 Todesopfer forderte, ist verwandt mit dem Sars- und dem Mers-Erreger. Viren dieser Gruppe kommen in vielen Tieren vor, besonders in Fledermäusen, die davon aber nicht erkranken. Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge stimmen die Gensequenzen des neuen Coronavirus zu 96 Prozent mit einem bei Fledermäusen gefundenen Virus überein. Mit Fledermäusen soll auf dem Markt in Wuhan aber nicht gehandelt worden sein. Deshalb ging man von anderen Tieren als Zwischenwirten aus.

Erste genetische Studien nach der Entdeckung des neuen Coronavirus vermuteten Schlangen als mögliche Quelle für eine Übertragung auf den Menschen. Im Verdacht stand die Chinesische Kobra.

Unterdessen gibt es in Bayern zwei neue Fälle des Coronavirus. Wie das Gesundheitsministerium gestern Abend mitteilte, stehen die Personen erneut in Zusammenhang mit der Stockdorfer Firma Webasto, Im Freistaat gibt es jetzt insgesamt 14 bestätigte Infizierte mit dem Corona-Virus. afp, dpa, sr

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