Polizei gibt den Fall Rebecca nicht auf

von Redaktion

Die heute 16-Jährige aus Berlin ist seit einem Jahr verschwunden – Familie hofft weiter

Berlin – Einer der spektakulärsten Vermisstenfälle der vergangenen Jahre in Deutschland begann mit einer unauffälligen Polizeimitteilung. Unter der Überschrift „15-Jährige vermisst“ hieß es: „Mit der Veröffentlichung eines Fotos erhofft sich die Polizei Berlin Hinweise aus der Bevölkerung. Seit den Morgenstunden des 18. Februar 2019 wird die 15-jährige Rebecca (…) aus Berlin-Britz vermisst.“ Sie habe sich zuletzt bei Familienangehörigen aufgehalten und sei nicht zur Schule gekommen.

Dazu stellte die Polizei das Foto eines blonden Mädchens mit Schmollmund. Das war am 21. Februar, drei Tage nach dem Verschwinden Rebeccas.

Weil es bei Rebecca keine Hinweise auf ein freiwilliges Abtauchen gab, das Mädchen sich nicht meldete und Rebeccas Handy stumm blieb, landete der Fall bei der Kriminalpolizei.

Am 23. Februar wird dann auch öffentlich klar, dass es um etwas Ernstes geht: „Schülerin weiterhin vermisst – Mordkommission übernimmt die Ermittlungen“, schreibt die Polizei in ihrer zweiten Mitteilung. Es könne nicht mehr ausgeschlossen werden, „dass das Mädchen einer Straftat zum Opfer gefallen ist“.

Bis zum 25. März geben Polizei und Staatsanwaltschaft sieben Mitteilungen zu Rebecca heraus. Trotz intensiver Ermittlungen ist eine Lösung des Falls bis heute nicht in Sicht.

Schnell stößt die Mordkommission auf den 27-jährigen Mann von Rebeccas älterer Schwester, der zuletzt mit Rebecca im Haus war. Nach seiner Aussage soll die 15-Jährige das Haus verlassen haben. Das kann die Polizei anhand der Handydaten aber nicht feststellen. Am 28. Februar, zehn Tage nach dem Verschwinden, nimmt die Polizei den Schwager wegen Mordverdachts fest. Einen Tag später wird er wieder freigelassen, am 4. März erneut verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht.

Gleichzeitig untersuchen Kriminaltechniker das Haus der Schwester. Die Polizei durchkämmt die Umgebung. Hunde und ein Hubschrauber werden eingesetzt. Rebeccas Familie postet im Internet Hilferufe.

Am 6. März veröffentlicht die Polizei Fotos des Mannes und des Familienautos, das am Tag von Rebeccas Verschwinden auf der Autobahn zwischen Berlin und Polen erfasst wurde. Über das Fernsehen sucht die Mordkommission Zeugen. Schnell gehen mehr als tausend Hinweise ein.

In den folgenden Wochen bietet die Kripo fast alles auf, was möglich ist: Im dünn besiedelten Brandenburg 50 Kilometer südöstlich von Berlin durchsuchen hunderte Polizisten Wälder. Leichenspürhunde schnüffeln im Unterholz, Mantrailer-Hunde werden an der Autobahn entlang geführt. Taucher steigen von Booten in Seen.

Rebecca bleibt verschwunden, eine Leiche wird nicht gefunden. Am 22. März wird der Haftbefehl gegen den Schwager aufgehoben, er wird aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen. Gleichwohl betont die Staatsanwaltschaft: „Er ist weiterhin Beschuldigter des Verfahrens.“ Die Fakten deuteten weiter darauf hin, dass Rebecca das Haus des Schwagers nicht lebend verlassen habe.

Was fehlt, sind Beweise. Die Polizei sucht im April und Mai erneut in Brandenburg, ein weiteres Mal im September. Die Zahl der Hinweise liegt da längst über 2300. Der heiße Tipp ist bis heute nicht dabei.

Ihre Mutter glaubt weiterhin nicht an den Tod ihrer Tochter. „Natürlich kann sie auch tot sein, aber dieses Gefühl habe ich nicht“, sagte sie dem Sender RTL. Rebecca sei vermutlich entführt worden. „Jetzt ist es ein Jahr vorbei, man hat nichts gefunden. Und ich denke, sie ist wirklich eingesperrt. Mit dem Tod könnte ich umgehen, aber die Ungewissheit, das ist furchtbar.“

Die Familie glaubt bis jetzt nicht, dass Rebeccas Schwager, den die Polizei verdächtigt, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Die Schwester beteuerte mit Blick auf ihren Mann: „Auch wenn die Polizei davon fest überzeugt war, stand das für uns nie zur Debatte. Und steht nicht zur Debatte.“

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