Nach der Coronakrise: „Eine Explosion der Lebensfreude“

von Redaktion

Rom – Franco Ferrarotti kennt die Italiener wie vielleicht kein Zweiter. Der emeritierte Professor gilt als Vater der italienischen Soziologie. Auch auf die Coronakrise hat er ein spezielles Augenmerk gelegt. Er sieht sie als Herausforderung für die gesamte Gesellschaft aber auch eine Chance, wie er dem ARD-Studio Rom für Tagesschau.de sagte: „Ich glaube, wenn die Krise vorbei ist, werden wir eine enorme Wiederkehr von Lebensfreude und Lust am Wiederaufbau erleben. Ähnlich wie am Ende des Krieges wird es in ganz Europa eine unglaubliche Explosion an Lebensfreude geben.“ Krisenerfahrungen, so Ferrarotti, führten dazu, dass Gesellschaften enger zusammenrücken. Und dass sie aus dieser Phase neue Kraft schöpften.

Das Portal sprach auch mit Gianluca Castelnuovo, einem der bekanntesten Psychologen des Landes. Auch er schaut mitten in der Krise mit Zuversicht nach vorne. Gegenüber Tagesschau.de sagte er: „Aus psychologischer Sicht wird danach eine große Lust da sein, wieder loszulegen. Zu arbeiten und zu feiern. Die zweite Jahreshälfte wird voll sein mit beruflichen Terminen, mit sozialen Ereignissen, mit Konzerten, mit der Lust auszugehen. Es wird diesen Sprungfeder-Effekt geben. Wir wollen dann in die Welt schreien, dass wir zurück sind nach diesem hässlichen Abenteuer.“

Auch lobte er die Disziplin, mit der die Menschen die Ausgangssperre respektieren, und den Zusammenhalt: Im Kampf gegen den gemeinsamen Feind Coronavirus, sagt der Psychologe Castelnuovo, rückten die Menschen wieder mehr zusammen.

Ähnlich lobende Worte für die italienische Bevölkerung fand Franco Ferrarotti gegenüber Tagesschau.de: „Die Italiener sind unerträglich, wenn alles gut läuft. Aber im kollektiven Unglück, in geschichtlichen Krisen, bei Erdbeben, bei großen Schwierigkeiten, sind die Italiener wundervoll.“

Bleibt zu hoffen, dass schon bald wieder die Zeit für die explodierende Lebensfreude kommen kann.  cjm

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