Eine Studie in Heinsberg soll aus der Corona-Krise heraushelfen

von Redaktion

Heinsberg/Bonn – Der sehr stark vom Coronavirus betroffene Kreis Heinsberg soll nun helfen, die Pandemie besser zu verstehen. Der Virologe Hendrik Streeck von der Universität Bonn wird die Region für eine Studie zur Ausbreitung des Virus ganz genau untersuchen – um zu ergründen, was Deutschland aus dem Kreis im Westen von Nordrhein-Westfalen lernen kann. Wann können Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert werden? Es geht auch darum, die wohl hohe Dunkelziffer der Infizierten aufzuhellen.

„Wenn die Politik Maßnahmen lockert, während noch die Zahl der Infektionen steigt, kann man damit nicht gewinnen“, erklärt der Forscher der Deutschen Presse-Agentur das Dilemma. Mithilfe des Einwohnermeldeamtes sollen zunächst 500 Familien repräsentativ ausgesucht werden. Es folgen Blutuntersuchungen, Rachenabstriche und umfassende Fragebögen. Die Familiengröße variiert, am Ende sollen ungefähr 1000 Leute in der Stichprobe landen.

So soll ein relativ gutes Bild entstehen, wer mit dem neuartigen Coronavirus infiziert wurde und wer nicht – und warum. Gangelt im Kreis Heinsberg ist dafür perfekt geeignet. „Wir wissen ziemlich genau, wann das Virus in den Ort gekommen ist – der 15. Februar, die Kappensitzung“, sagt Streeck. Auf dieser hatte der erste bestätigte NRW-Infizierte gefeiert.

„Es ist immer an Orten ausgebrochen, wo wild gefeiert wurde. In Gangelt war es der Karneval, in Ischgl der Après-Ski, in Bergamo ein Fußballspiel“, sagt Streeck. „Es ist immer: Viele Menschen auf engem Raum.“ Die Kappensitzung werde man sich daher nochmals anschauen, er hat sich die Teilnehmerliste besorgt.

Vor allem interessiert ihn, warum sich bestimmte Gäste dort gerade nicht angesteckt haben. „Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit.“ Weitere Frage: Inwieweit übertragen Kinder das Virus auf ihre Eltern? Die Information wäre entscheidend, wenn man eines Tages die Schulen wieder öffnen will.  dpa

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