„Ran an die Töpfe“ – Man muss sich nur trauen

von Redaktion

INTERVIEW

Frau Schlögel, können Sie die Kritik der Ernährungsindustrie an den Kochkünsten der Deutschen nachvollziehen?

Es teilt sich meiner Meinung nach immer mehr auf. Es gibt die Freaks, die sich auch an schwierige Gerichte trauen, und es gibt Leute, bei denen quasi das Wasser anbrennt. Natürlich muss man sich auch die Werbung in den Medien anschauen, und die ging doch gerade beim Kochen immer mehr in Richtung Fertigprodukte. Auch die Regale mit diesen Produkten wurden doch immer größer, und so wurde dem Verbraucher suggeriert, dass dies die idealen Mahlzeiten für die Familie sind. Wobei es auch Studien gibt, dass diese Fertiggerichte ja oft gar nicht schneller zubereitet sind.

Wie könnte man die Lust am Kochen zurückgewinnen? Die Zeit dazu wäre ja ideal.

Einfach durch den Genuss. Mir hat mal ein Hüttenwirt, der seine Lebensmittel nur mit der Seilbahn bekommt, gesagt: „Mit wenigen, aber guten Zutaten etwas Gscheids kochen!“ In dieser Aussage liegt so viel Wahrheit!

Sie geben ja Kochkurse, auch für Kinder. Wie kriege ich die mit in die Küche?

Ranlassen, einfach wieder mal unserer jungen Generation etwas zutrauen. Ich gebe ja auch Kinderkochkurse. Da merkt man ganz schnell, welche Kinder zu Hause mithelfen dürfen und welche nicht. Es hat sich bei mir noch nie ein Kind in den Finger geschnitten oder sich verbrannt, und die dürfen bei mir echt ran an die Töpfe. Es kann doch nicht sein, dass Neunjährige noch nie ein Ei aufgeschlagen oder ein Handrührgerät benutzt haben. Wenn wirklich mal ein Ei runterfällt, geht am nächsten Morgen die Sonne trotzdem wieder auf!

Welche Gerichte können Sie als „Einsteigerrezepte“ empfehlen?

Nochmals „ran an die Töpfe“, sich einfach mal selber etwas zutrauen. Gerichte mit wenig Zutaten aussuchen. Wir haben mal für ein Kochbuch ein Rezept von Ursula von der Leyen bekommen und es heißt „Omas Kartoffelsuppe“. Es besteht aus Kartoffeln, Zwiebeln, Gelben Rüben, Lauch, Mettwürstchen und ein paar Gewürzen. Diese Suppe gibt es bei uns regelmäßig und wurde bei mir auch schon bei Kochkursen zubereitet, und die kommt so was von gut an! Oder einfach Spargel schälen, mit Öl und Gewürzen mischen, in Backpapier einpacken und ab in den Ofen für 30 Min. Zum Ende der Garzeit noch ein paar Tomaten dazu, abschmecken, und ich habe mit wenig Aufwand ein köstliches Gericht.  Interview: Claudia Muschiol

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