Berlin – Der erste Schreck ist vorbei, doch die Corona-Krise noch lange nicht. Überall auf der Welt versuchen die Menschen, eine Balance zu finden aus Vorsicht und Vergnügen. Ganz locker nimmt es der Präsident der autoritär regierten Republik Belarus: Küssen geht – aber bitte keine neuen Frauen. In den USA greifen Menschen, denen die Corona-Auflagen zu weit gehen, auch mal zur Waffe. Und in Wien und Salzburg rollen die Fiaker wieder.
Schweiz: Viele in Not
Auch in der Schweiz mit gutem Sozialnetz bringt die Corona-Krise viele Menschen in Not. Bei einer Essensausgabe des Hilfswerks „Caravane de la Solidarité“ (Karawane der Solidarität) in Genf bildete sich eine einen Kilometer lange Schlange. Viele der Anstehenden waren Ausländer ohne Aufenthaltspapiere, die sich sonst mit Schwarzarbeit durchschlagen. Aber auch legal Beschäftigte seien betroffen, sagte Stefan Gribi, Sprecher von Caritas Schweiz, dem Schweizer Fernsehen. „In der Schweiz lebt rund eine halbe Million Menschen ganz knapp über der Armutsgrenze. Wenn bei diesen ein Teil des Einkommens wegfällt, sind sie in einer schwierigen Situation.“
Österreich: Wenig los
In Wien und Salzburg sind die ersten Fiaker wieder zurück auf der Straße, warten aber oft vergeblich auf Kunden. „Die Situation ist sehr trist“, sagte Werner-Christoph Kaizar von der Initiative „Pro Fiakerkultur“ in Wien. Die Touristen, die bisher 95 Prozent aller Kutschfahrten buchten, fehlten. Nun versuche die Branche, die Einheimischen für die Fahrten im Fiaker zu begeistern. Nach siebenwöchiger Pause sind auch in Salzburg einige Kutschen unterwegs. Von den üblichen 14 Kutschen stünden nun sieben bereit, sagte Branchensprecher Franz Winter. Der Kutscher trage eine Maske, nach jeder Fahrt werde desinfiziert.
USA: Unmut wächst
In den USA wachsen Unmut und Verzweiflung angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise – das lassen zumindest dramatische Einzelfälle annehmen, die in den vergangenen Tagen Schlagzeilen gemacht haben. Eine Kundin eröffnete im Bundesstaat Oklahoma in einem McDonald’s das Feuer auf das Personal -– aus Empörung darüber, dass sie sich nicht in dem geschlossenen Restaurantbereich aufhalten durfte. Vier Menschen wurden verletzt. Ein Wachmann im US-Bundesstaat Michigan wurde vergangene Woche erschossen, nachdem er darauf bestanden hatte, dass die Tochter einer Kundin wie vorgeschrieben in einem Laden eine Schutzmaske trägt.
Ein Schlaglicht auf die laufende Debatte über die Wiedereröffnung der Wirtschaft – die einigen zu schnell, anderen zu langsam geht – , warf eine Frau in Texas. Sie kam ins Gefängnis, weil sie ihren Friseursalon nicht geschlossen hatte. Bei einer Gerichtsverhandlung war ihr ein Deal angeboten worden: Dass sie trotz der Öffnung des Ladens nicht ins Gefängnis müsse, wenn sie sich entschuldige und zugebe, dass ihr Handeln egoistisch gewesen sei. Sie soll geantwortet haben: „Ich muss Ihnen widersprechen, Sir, wenn Sie sagen, dass ich egoistisch bin, denn meine Kinder zu ernähren, ist nicht egoistisch.“ Am Donnerstag verfügte der Supreme Court im Bundesstaat ihre Freilassung.
Eigener Weg in Belarus
In dem autoritär regierten Land Belarus (Weißrussland) gibt es ganz eigene Regeln: Fußballspiele sind erlaubt, Veranstaltungen werden durchgezogen. Ein Teil der Bevölkerung ist aber so besorgt, dass er freiwillig in die Selbstisolation geht, wie lokale Medien berichten. Staatschef Lukaschenko versucht nun, mit einem Kuss-Ratschlag an die Bevölkerung das Virus in Schach zu halten. „Wenn du bereits jemanden geküsst hast, mach mal weiter“, sagte er. Der Mann solle dann aber nicht noch mit anderen Frauen anbandeln. So werde das Virus nicht weiter verbreitet.
Island bleibt cool
Gute Nachrichten aus dem hohen Norden: Auf Island steckt sich kaum noch jemand mit dem Coronavirus an. An vier von fünf Tagen meldeten die isländischen Behörden in der vergangenen Woche keinen einzigen neuen Corona-Nachweis, nur am Donnerstag kamen zwei Infektionsfälle hinzu. Nur zehn Covid-19-Erkrankte sind auf Island bislang gestorben, 1765 andere haben sich von der Erkrankung dagegen mittlerweile wieder vollständig erholt, darunter eine 102-Jährige aus Bolungarvík in den isländischen Westfjorden: Wie der Rundfunksender RÚV berichtet, hat die alte Frau vor vielen Jahrzehnten bereits eine Tuberkulose-Erkrankung überstanden.
Baltikum öffnet
Die Einrichtung von eingeschränkten Reisezonen im Zuge der Lockerungen von Corona-Vorschriften wird zurzeit von etlichen Ländern diskutiert. Die baltischen Staaten sind bereits einen Schritt weiter: Estland, Lettland und Litauen werden zum 15. Mai ihre gegenwärtig geschlossenen gemeinsamen Grenzen wieder öffnen. Die Bürger der drei Nachbarländer im Nordosten Europas dürfen dann wieder frei innerhalb des Baltikums reisen.
„Die Idee ist sehr elementar. Wir vereinen drei Länder in einem gemeinsamen Raum. Das bedeutet, dass Menschen von Litauen nach Estland ohne Einschränkungen durch Lettland reisen können und umgekehrt“, sagte Lettlands Regierungschef Krisjanis Karins.
Ehekrise in Rumänien
Der rumänische Möbelfabrikant und frühere liberale Politiker Viorel Catarama Leben will sich zum Entsetzen seiner Ehefrau absichtlich mit dem Virus Sars-CoV-2 infizieren lassen, um zu beweisen, dass man im Fall der Pandemie „aus einer Mücke einen Elefanten“ gemacht habe, wie die rumänische Zeitung „Ciao“ berichtete. Seine Frau, die in Rumänien prominente Ärztin Adina Alberts, will deswegen zusammen mit der kleinen Tochter des Paares aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. „Unsere Wege trennen sich für eine Weile“, schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite.