Kiel –- Der Verdächtige im Fall Maddie ist in Kiel aus Sicherheitsgründen in einen anderen Trakt im Gefängnis verlegt worden. Vor einer Woche hatten das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend mitgeteilt, dass der wegen anderer Delikte inhaftierte Christian B. in dem Fall des vor 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Madeleine McCann unter Mordverdacht steht.
Der Verdächtige wurde nicht nur in einen anderen Trakt im Gefängnis verlegt. Er dürfe auch nur einzeln und in Begleitung von Wachpersonal aus der Zelle, sagte Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen (CDU). So wolle man verhindern, dass möglicherweise Mitgefangene den Häftling attackieren. Seitdem dieser als Hauptverdächtiger im Fall Maddie gelte, müsse mit Übergriffen gerechnet werden, sagte Claussen. Christian B. (43) sitzt zurzeit eine bereits 2011 verhängte Strafe von 21 Monaten wegen Drogenhandels ab.
Im Kieler Landtag ging es jetzt um die Frage, ob der einschlägig vorbestrafte Mann im Jahr 2018 wegen einer Justizpanne der Flensburger Staatsanwaltschaft vorübergehend für etwa vier Wochen freigekommen war. Die Flensburger Behörde war nach eigenen Angaben aber nicht in den Fall Maddie eingebunden. Das betonten die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt und Minister Claussen.
Dass der mehrfach Vorbestrafte – nach dem vollständigen Absitzen einer Haftstrafe von 14 Monaten in Braunschweig wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Besitzes kinderpornografischer Schriften – 2018 für einige Wochen auf freiem Fuß war: Das ließ sich laut Stahlmann-Liebelt juristisch nicht vermeiden.
Die bisherigen Verteidiger des 43-Jährigen haben unterdessen ihr Mandat nach wenigen Tagen wieder niedergelegt. Dies sei der zuständigen Ermittlungsbehörde angezeigt worden, teilten die Anwälte Jan-Christian Hochmann und David Volke mit. Eine Begründung nannten die Juristen nicht. Sie waren nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche von dem Beschuldigten mit der Verteidigung beauftragt worden.
Der Mann wird nun vom Hamburger Anwalt Johann Schwenn und seinem Kieler Kollegen Friedrich Fülscher vertreten. Fülscher sagte RTL/n-tv, sein Mandant möchte „momentan keine Angaben zur Sache“ machen. Auf die Frage, wie es seinem Mandanten gehe, antwortete Fülscher: „Wie soll es einem Menschen gehen, der in einer Justizvollzugsanstalt isoliert ist und dem die halbe Weltbevölkerung schlimmste Verbrechen vorwirft?“ Der Jurist kündigte an, „zivil- oder strafrechtlich“ gegen Falschverdächtigungen seines Mandanten vorgehen zu wollen.
In Kiel endet die Haft wegen Drogendelikten im Frühjahr 2021. Der Beschuldigte hat bereits zwei Drittel dieser Strafe verbüßt und Anträge auf Haftverschonung gestellt. Entschieden ist darüber aber noch nicht.
Nach den neuen Erkenntnissen im Fall Maddie wurden auch anderswo Ermittlungen in Vermisstenfälle erneut geprüft. In Belgien wird jetzt die Mord-Akte der deutschen Jugendlichen Carola Titze wieder aufgeklappt. Der verstümmelte Leichnam der 16-Jährigen war im Juli 1996 in einem belgischen Küstenort gefunden worden.