Ruheständler sind heute nicht mehr „die Alten“

von Redaktion

Wiesbaden – Bevölkerungsforscher registrieren einen starken Wandel der Lebenssituation von Ruheständlern in Deutschland. „Der Ruhestandseintritt geht immer weniger mit dem Übergang in die Lebensphase ,Alter’ einher“, sagt Andreas Mergenthaler, Forschungsgruppenleiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden.

Das „neue Alter“ habe den Lebenslauf um eine weitere Lebensphase ergänzt. Festzustellen sei eine zunehmende Vielfalt der Lebensentwürfe, was sich in „produktiven Tätigkeiten im Rentenalter“ widerspiegele – die meisten arbeiten weiter aus Spaß, um Geld zu verdienen und um soziale Kontakte zu haben. Auch gehe es um „partnerschaftliche Formen des Ruhestandsübergangs“, erklärte Mergenthaler bei der Vorstellung der Studie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP). Dafür hatten Wissenschaftler mehr als 5000 Personen zwischen 55 bis 70 Jahren interviewt – dreimal innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren, zuletzt 2019. Es ging um ihre Einstellungen, Absichten und Motive beim Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand.

Allein die Erwerbstätigenquote der 50- bis 69-jährigen Frauen hat sich demnach zwischen 1996 und 2018 verdoppelt. 1996 sei knapp jedes vierte Paar ein Zweiverdienerpaar gewesen, 2018 bereits mehr als jedes zweite. „Wir beobachten einen ungebrochenen Trend zu Zweiverdienerpaaren, der bei einem moderat steigenden Renteneintrittsalter weiter anhalten wird“, sagte BiB-Direktor Prof. Norbert Schneider.

Und dies habe Auswirkungen: Etwa einem Drittel der befragten Paare sei demnach ein „gemeinsamer Ruhestandsübergang“ wichtig (siehe Kasten). Durch das veränderte Erwerbsverhalten werde der Übergang in den Ruhestand „zunehmend zu einer Gestaltungsaufgabe für beide Partner“, hieß es.  kna/afp

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