Hannover – Im Fall der verschwundenen kleinen Maddie hat die Polizei in Hannover gestern Abend die Grabungsarbeiten in einem Kleingarten nach zwei Tagen beendet. Unter den Fundamentresten eines abgerissenen Gartenhauses fanden die Beamten laut „Bild“ einen verborgenen Kellerraum, der zu einem ehemaligen Gartenhaus gehört haben könnte. Ob oder was die Ermittler dort fanden, wurde nicht bekannt. „Wir kommentieren die laufenden Maßnahmen zum Schutz der Ermittlungen nicht“, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Mit einem Bagger ließen die Beamten weiteres Erdreich auf dem Grundstück wegschaufeln und fuhren immer wieder große quadratische Steine ab. Inzwischen haben die Fahnder zwei Zelte auf dem Gelände aufgebaut. An der Aktion ist neben der Polizei aus Hannover und Braunschweig weiter auch das Bundeskriminalamt beteiligt.
Die Grabungen stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig im Zusammenhang mit der 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwundenen dreijährigen Madeleine McCann sowie dem 43-jährigen derzeit in Kiel inhaftierten Christian B. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Mordes. Er wird verdächtigt, das Kind 2007 in Portugal entführt zu haben. Nach dem Verschwinden der kleinen Britin soll er in Hannover gelebt haben. Welche Verbindungen es zwischen dem Mann und der Kleingartenparzelle geben könnte, sagen die Ermittler ebenso wenig wie, was sie auf dem Gelände zu finden hoffen. Wie der Pächter der angrenzenden Nachbarparzelle sagte, war das Gartengrundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutze, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen.
Der Verdächtige äußert sich weiter nicht zu den Mordvorwürfen. „Nach Akteneinsicht sehen wir weiter“, sagte sein Anwalt Friedrich Fülscher am Dienstag Das Landgericht Braunschweig hatte den 43-Jährigen Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2005 in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Mann ist auch wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorbestraft. Die Ermittler in Braunschweig sind für den Fall zuständig, weil der Verdächtige seinen letzten offiziellen deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte. Dort besaß B. von Oktober 2013 bis April 2016 auch einen Kleingarten. „Eigentlich war er unauffällig, er war immer freundlich und hat seine Gartenarbeit gemacht“, sagte der Vorsitzende des Gartenvereins Kennelblick, Jürgen Krumstroh. „Ich war geschockt, als ich bei der neuen Fahndung nach Maddie im Frühjahr auf einmal sein Bild gesehen habe.“
Seltsam sei nur sein Abschied aus der Gartenkolonie gewesen. „Er hat mir nachmittags die Kündigung gebracht, ist in seinen vollgepackten, randvollen Kleinwagen gestiegen, und danach habe ich nie wieder was von ihm gehört.“