Ischgl – Brettl-Fans wird es freuen: Trotz der Corona-Krise will Österreich die Skigebiete im kommenden Winter offenhalten. „Wir müssen in allen Bereichen unseres Lebens versuchen, ein so normales Leben wie möglich zu führen“, betonte Kanzler Sebastian Kurz Anfang der Woche. „Wintertourismus und Skifahren wird möglich sein.“
Mit Blick auf die Skisaison verwies Kurz darauf, dass der Tourismus ein großer Wirtschaftsfaktor in Österreich sei. Es gehe um sehr viele Arbeitsplätze. Ein Konzept werde derzeit ausgearbeitet, Details nannte er nicht. Zugleich betonte er, dass es Après-Ski in der gewohnten Form nicht geben werde. Bei Partys im Skiort Ischgl hatten sich viele Touristen gerade auch aus Deutschland mit dem Virus angesteckt.
Dort arbeitet man derzeit mit Hochdruck daran, das angeschlagene Image wieder aufzupolieren. In der einstigen Après-Ski-Hochburg wurde frühzeitig ein Gesundheits- und Sicherheitskonzept erstellt, das nach eigenen Angaben über die behördlichen Vorgaben hinaus geht. „Wir setzen alle unsere Bemühungen ein, um einer der sichersten Winterurlaubsorte zu werden!“, heißt es auf der Homepage des Tourismusverbands Paznaun-Ischgl. Die Maßnahmen:
. Maskenpflicht in den Liften
Während der Fahrt in Kabinen- und Sesselbahnen und sogar in den Schleppliften ist – wie in Österreich auch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln – ein Mund-Nasen-Schutz verpflichtend. Der muss auch an den Kassen, in den Ein- und Ausstiegsbereichen der Lifte, in den Skibussen, auf den Toiletten und in den Shops getragen werden. Zu jedem Skipass gibt es deshalb Multifunktionstücher geschenkt, die als Maske getragen werden können. Zusätzlich werden die Bergbahnen mehrmals täglich mit speziellen Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert.
. Corona-Tests
Der Tourismusverband empfiehlt den Gästen, beim Check-in ein negatives Testergebnis vorzulegen, das nicht älter als 72 Stunden ist. Zusätzlich besteht außerdem das Angebot einer freiwilligen Testmöglichkeit vor Ort. Beim Check-in in der Unterkunft findet zudem eine Temperaturmessung statt und es muss ein kurzer Fragebogen ausgefüllt werden.
Mitarbeiter von Hotels und Gastronomie müssen alle mit einem aktuellen, negativen Test anreisen oder werden vor Ort noch vor Arbeitsantritt getestet. Diese Tests können auch regelmäßig wiederholt werden.
. Après-Ski
„Après-Ski in der bisherigen Form wird es diesen Winter 20/21 so nicht mehr geben“, heißt es beim Tourismusverband, da das Après-Ski durch gesetzliche Vorgaben drastisch eingeschränkt werden wird. „Die neue, daraus resultierende Form wird jedoch ein wichtiges, noch qualitätsvolleres Angebot für unsere Gäste bleiben.“ Wie der genauso aussehen wird, wird, werde noch erarbeitet. Klar ist bisher aber schon, dass in Bars und Restaurant künftig keine laute Musik mehr gespielt werden soll.
. Abwasser-Monitoring
In Zusammenarbeit mit der Tiroler Landesregierung und der Universität Innsbruck werden in Ischgl regelmäßige Abwassertests durchgeführt, die mit hoher Genauigkeit auf eine Früherkennung von möglichen Infektionen hinweisen. Infizierte scheiden zumindest Fragmente des Coronavirus über ihre Fäkalien aus. Die Untersuchung des Abwassers könnte daher Aufschluss über die Zahl der Corona-Fälle in der Bevölkerung geben.
Die Maßnahmen, die in Ischl beschlossen worden sind, könnten Vorbildcharakter für viele Skigebiete bekommen. Aber auch die Innsbrucker Hochschule MCI arbeitet derzeit im Auftrag des Landes Tirol derzeit an einem Projekt „Covid19 – Risikomanagement Wintertourismus“. Das Ergebnis der Studie könnte eine wichtige Grundlage für eine möglichst sichere – und erfolgreiche – Wintersaison in Tirol sein.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Bürger am vergangenen Wochenende allerdings angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie eindringlich aufgerufen, Herbstferien und Weihnachtsurlaub in Deutschland zu verbringen. cjm/dpa