250 000 Corona-Fälle wegen Biker-Treffen

von Redaktion

Keine Hygiene-Auflagen: 460 000 Besucher auf Motorrad-Festival in South Dakota

Sturgis – Die Veranstalter des berühmtesten und größten Motorrad-Treffens der Welt sind grantig. Auf ihrer Homepage teilen „City of Riders“ und die Stadt Sturgis mit, dass die Zahlen unverschämt und schändlich seien. Die Wissenschaft sieht es anders: Laut dem „Institute of Labor Economics“ können nach dem zehntägigen Event Mitte August rund 265 000 neue Corona-Erkrankungen mit dem Festival in Verbindung gebracht werden. Anfang des vergangenen Monats hatten sich rund 460 000 Biker-Freunde aus der ganzen Welt in South Dakota versammelt. Ein passionierter Stammgast ist sonst auch der Münchner Schauspieler und Sänger Wolfgang Fierek, der heuer allerdings wegen Covid-19 nicht mit dabei war.

Die harten Jungs und Mädels auf zwei Rädern, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Gas gaben, halten nichts von Dingen, die man nicht sieht – wie Viren: So gut wie niemand trug Schutzmasken, und Helme waren auch nicht gerade gefragt. Ein Mindestabstand beim Partymachen? Lächerlich! Und somit wurde die größte Biker-Party der Geschichte zur größten Virenschleuder der Welt.

Wie können die Experten sicher sein, dass die Harley-Fahrer an der rapiden Ausbreitung schuld sind? Weil man die Handy-Daten der Rallye-Teilnehmer ausgewertet und mit den neuen Fallzahlen in ihren Heimatstädten verglichen hat. Ergebnis: Fast 20 Prozent der 1,4 Millionen neuen Covid-Fälle in den Vereinigten Staaten im vergangenen August sind auf Sturgis zurückzuführen.

Andrew Friedson ist Wirtschaftsprofessor an der „University of Colorado“ und einer der Studien-Autoren. Er sagte der „New York Daily News“: „Wir stellen fest, dass in Landkreisen, aus denen viele nach Sturgis gefahren sind, die Fallzahlen im Vergleich zu ähnlichen Orten mit wenigen Sturgis-Fahrern stark angestiegen sind.“

Die Ökonomen schätzten, dass die Veranstaltung zudem „erhebliche Kosten für die öffentliche Gesundheit“ in Höhe von mindestens 12,2 Milliarden Dollar verursacht hat.

Das Städtchen Sturgis in South Dakota hat rund 7000 Einwohner und heißt Jahr für Jahr fast eine halbe Million Motorrad-Fans willkommen. Da mutet es wie eine Farce an, dass der Stadtrat die Eröffnungsfeier am 7. August abgesagt hatte, um Menschen-ansammlungen möglichst zu vermeiden. Die republikanische Regierung des Bundesstaats hatte weder Maskennoch Mindestabstand angeordnet.

Gouverneurin Kristi Noem weist die Ergebnisse zurück. Via Twitter teilte sie mit, die Studie sei nicht wissenschaftlich unterlegt und nur eine „Fiction“: „Unter dem Deckmantel der akademischen Forschung ist dieser Bericht nichts anderes als ein Angriff auf diejenigen, die ihre persönliche Freiheit, Sturgis zu besuchen, ausgeübt haben.“ mb

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