Hollywood – Der Komiker und Regisseur Borat, alias Sacha Baron Cohen, ist wieder da. In seinem neuen Film „Borat Subsequent Moviefilm“ (zu sehen bei Amazon Prime) beleuchtet er auf skurrile Art die USA in Zeiten von Donald Trump. Seine Rolle ist die des kasachischen Reporters Borat, der durch die USA reist – und dabei hinter die Kulissen eines zerrissenen Landes blickt. Ein Aufreger: Seine Filmtochter verführt als 15-Jährige Donald Trumps Anwalt Rudy Giuliani. Unsere Zeitung hat mit dem Kult-Komiker und Regisseur Sacha Baron Cohen gesprochen.
Giuliani besteht darauf, dass er sich nicht unangemessen gegenüber der jungen Frau verhalten habe; was sagen Sie dazu?
Es ist ein faszinierendes Fenster, in dem man sehen kann, was das Trump-Regime als angemessen im Umgang mit Frauen betrachtet. Aber jeder, der den Film sieht, kann sich darüber selbst ein Bild machen. Die einzige Person, die für Rudy Giulianis Verhalten verantwortlich ist, ist Rudy Giuliani.
Haben Sie danach von Giuliani gehört?
Er hat sich scheinbar ziemliche Sorgen gemacht. Er hat uns nämlich die Polizei auf den Hals gehetzt! Ich weiß nicht, was er behauptet hat. Aber die Cops haben eine Razzia in unserem Hotelzimmer gemacht. Ohne gültigen Durchsuchungsbefehl.
Sie begeben sich im Film in einige sehr heikle Situationen. Hatten Sie eigentlich nie Angst?
Natürlich habe ich Angst, so wie jeder andere auch. Ich habe oft Szenen geschrieben und fand sie toll. Bis zu dem Tag, an dem ich sie dann drehen musste. Ich hatte solch einen Schiss, dass ich am liebsten abgehauen wäre. Ich musste mich jedes Mal überwinden.
Gab es einen besonders gefährlichen Moment?
Ja, gleich am ersten Drehtag. Wir waren bei einer Demonstration für Waffenrechte. Ich trug ein T-Shirt, das, naja, nicht wirklich die mächtige Waffenlobby NRA unterstützt hat. Ich habe darunter eine kugelsichere Weste getragen, zum ersten Mal in meiner Karriere. Es liefen so viele Typen mit Gewehren herum, es hätte sich sogar versehentlich ein Schuss auf mich lösen können. Ich bin auf jeden Fall bei diesem Film mehr Risiken eingegangen, als je zuvor. Aber ich musste es tun!
Warum?
Wir leben in einer Zeit, in der Amerika in die Autokratie zu stürzen droht. Je nachdem, was bei den Wahlen geschieht. Ich wollte zeigen, dass die Schattenseiten der amerikanischen Gesellschaft durch den Präsidenten salonfähig geworden sind.
Sie haben mit zwei Trump-Anhängern sogar ein paar Tage gelebt. Das muss ja der Horror gewesen sein!
Nein, im Gegenteil! Ich wollte in meinem Film zeigen, dass diese zwei Verschwörungstheoretiker eigentlich herzensgute Menschen sind. So wie viele der Trump-Anhänger auch. Sie wurden mit Lügen gefüttert, die auf Social Media verbreitet werden. Und sie haben sie geglaubt. Aber die Menschlichkeit ist bei ihnen noch vorhanden und das macht mir Hoffnung.
Was macht Trump in Ihren Augen so gefährlich?
Ich bin nur ein Comedian, ein Schauspieler. Aber meiner Meinung nach hat Trump eines genial gemacht. Er ist durch Fake Media zum Präsidenten geworden. Und dann hat er den Spieß umgedreht und verunglimpft alle Berichte, die ihm nicht passen, als Fake News. Er hat die Medien als Feind auserkoren und hetzt seine Anhänger so sehr auf, dass sie sogar zur Gewalt gegen Journalisten bereit sind.
Interview: Dierk Sindermann