Amokfahrt von Volkmarsen: Versuchter Mord in 91 Fällen

von Redaktion

Volkmarsen – Knapp zehn Monate nach der Attacke mit einem Auto auf den Rosenmontagsumzug im nordhessischen Volkmarsen hat die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Täter angeklagt. 90 Menschen, darunter viele Kinder, waren am 24. Februar teils schwer verletzt worden. Der Angeschuldigte sei bewusst und ungebremst mit 50 bis 60 Stundenkilometern in die Menge von Teilnehmern und Zuschauern gefahren, um Menschen zu töten, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Freitag mit. Der 30-Jährige hatte die Amokfahrt demnach geplant, sein Motiv ist aber weiter unklar. 42 Meter lang fuhr er durch die dicht gedrängte Menge in seiner Heimatstadt, die rund 35 Kilometer nordwestlich von Kassel liegt.

Dem Deutschen wird versuchter Mord in 91 Fällen und gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen zur Last gelegt. Nur ein potenzielles Opfer habe sich rechtzeitig mit einem Sprung zur Seite retten können und sei unverletzt geblieben, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Georg Ungefuk. 20 Verletzte hätten stationär und teilweise intensivmedizinisch in Krankenhäusern behandelt werden müssen, zahlreiche weitere Menschen seien traumatisiert worden.

Unmittelbar nach der Tat war zunächst unklar, ob es sich um einen Anschlag handelt, alle anderen Fastnachtsumzüge in Hessen wurden sicherheitshalber abgebrochen. Zehn Monate später rätseln die Ermittler noch immer über das Motiv, gehen aber nicht von einem politischen oder religiösen Hintergrund aus.

Dass der mutmaßliche Täter von Volkmarsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg sein Vorgehen detailliert geplant hatte, zeigt der Anklage zufolge die Tatsache, dass er sein Auto schon am Vortag so parkte, dass er tags darauf problemlos in den abgesperrten Bereich des Umzugs fahren konnte.

In sein Auto soll er eine kleine Kamera eingebaut haben, um die Fahrt durch die Menschenmenge aufzuzeichnen. Wegen eines Installationsfehlers begann die Aufnahme allerdings erst, als das Auto bereits stand, wie Ungefuk sagte. Die Ermittler hätten die Tat aber dank zahlreicher Handyaufnahmen von Zeugen detailliert nachzeichnen können.

Geäußert habe sich der 30-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, bislang nicht. Auch Ermittlungen im Umfeld des jungen Mannes, der sozial isoliert lebte, hätten keine Anhaltspunkte für ein Motiv ergeben, sagte Ungefuk. Er stand den Angaben zufolge weder unter dem Einfluss von Alkohol noch von Medikamenten oder Betäubungsmitteln. Weitere Details wollte die Behörde nicht bekannt geben. Zu den Vorwürfen gegen ihn gehört auch gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Der Prozess soll vor dem Landgericht Kassel stattfinden.  dpa

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