Rennes / Barcelona – Zwei Silvesterpartys mit mehreren tausend Teilnehmern in der Bretagne und in Barcelona sorgten mitten in der Corona-Krise mit nächtlichen Ausgangsbeschränkungen für Empörung in ganz Europa. Besonders krass ging es in dem kleinen bretonischen Ort Lieuron zu, wo in zwei leer stehenden Hallen in einem Gewerbegebiet rund 2500 Menschen ein anderthalbtägiges illegales Fest feierten: mit wenig Abstand, viel Alkohol und Drogen und kaum Masken. Die anrückenden Ordnungskräfte sahen sich nach Angaben der zuständigen Präfektur bei der Räumung mit „gewalttätiger Feindseligkeit“ konfrontiert. Bei Ausschreitungen wurden ein Polizeifahrzeug in Brand gesetzt und drei weitere beschädigt. Es habe Flaschen- und Steinwürfe gegeben, Beamte seien leicht verletzt worden. Die Einsatzkräfte zogen sich daraufhin zunächst zurück. Erst am Samstagmorgen löste sich die Feier dann auf. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin kündigte am Samstag harte Sanktionen an, die der Rave nach sich ziehen werde.
Laut dem französischen Innenminister Gérald Darmanin wurden fünf Menschen festgenommen, die Gendarmen stellten mehr als 1600 Strafanzeigen aus, darunter 225 wegen Rauschgiftdelikten und 1225 wegen Verstoßes gegen die Corona-Auflagen – Masken wurden nicht getragen und die geltende Ausgangssperre missachtet. Zwei der Organisatoren des Raves wurden laut Staatsanwaltschaft nach mehrstündiger Suche verhaftet. Zudem wurden eine Geldsumme – wohl das Eintrittsgeld –, eine umfangreiche Musikanlage, Beleuchtungssysteme und Generatoren sichergestellt. Bereits am frühen Donnerstagabend waren in Lieuron mehr und mehr junge Leute auf dem Gewerbegelände zusammengekommen. Auch Gäste aus anderen französischen Départements und sogar aus dem Ausland hatte es zu dem stillgelegten Hangar gezogen – ungeachtet der in Frankreich geltenden, strengen Kontaktbeschränkungen, nach der sich nicht mehr als sechs Erwachsene zuhause treffen dürfen. Eine nächtliche Ausgangssperre untersagt zudem das Verlassen des Hauses zwischen 20 und 6 Uhr ohne triftigen Grund. Neben der Entrüstung löste der Riesenevent auch Sorgen vor zahlreichen neuen Ansteckungen mit dem Coronavirus aus. Die bretonische Gesundheitsbehörde forderte die Partygäste auf, sich sofort zu isolieren und sich testen zu lassen.
Die Pandemie hat Frankreich mit seinen knapp 67 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern hart getroffen. Mehr als 64 700 Menschen starben, etwa 2,6 Millionen Menschen infizierten sich mit dem Coronavirus.
Auch die katalanische Polizei musste am Samstag eine 40 Stunden andauernde illegale Silvesterparty bei Barcelona mit etwa 300 Teilnehmern auflösen. Die Party fand ohne Rücksicht auf die geltenden Corona-Auflagen in einer verlassenen Lagerhalle 30 Kilometer nordöstlich von Barcelona statt. Die drei festgenommenen Organisatoren der Feier müssen nach Polizeiangaben mit Strafen von bis zu 600 000 Euro rechnen. Den Partygästen drohen mindestens 3000 Euro Geldstrafe. Die Feier hatte am Silvesterabend in der kleinen katalanischen Stadt Llinars del Vallès begonnen. Laut Medienberichten kamen viele Partygäste aus dem Ausland. Mehrere spanische Regionen haben unter dem Eindruck der Party die Verschärfung der Corona-Maßnahmen angekündigt.