Jersey City – Nach einem Autounfall im Jahr 2018 waren 80 Prozent seiner Haut verbrannt – doch jetzt kann sich Joe DiMeo aus New Jersey wieder Hoffnung auf ein fast normales Leben machen. Denn der 22-Jährige hat jetzt Medizingeschichte geschrieben: Er ist der erste Mensch auf der Welt, dem gleichzeitig ein neues Gesicht und neue Hände erfolgreich transplantiert wurden.
Der damals 19-Jährige war nach einer Spätschicht nach Hause gefahren und am Steuer eingeschlafen. Sein Auto kam von der Straße ab, überschlug sich mehrmals und fing Feuer. Ein Augenzeuge konnte ihn gerade noch rechtzeitig aus dem brennenden Wagen ziehen. Nach 20 Operationen und drei Monaten künstlichem Koma kam DiMeo wieder zu sich – schwer entstellt. Er besaß keine Lippen mehr, seine Augenlider waren in die Haut verwachsen und die Chirurgen hatten ihm seine verbrannten Finger amputieren müssen.
DiMeo sagt im Magazin „People“: „Die Ärzte haben alles getan, was sie nur für mich tun konnten.“ Einer seiner Chirurgen schickte ein Video von ihm an Dr. Eduardo Rodriguez, einen weltbekannten Experten in wiederaufbauender plastischer Chirurgie an der Langone Uniklinik in New York. Der lud DiMeo im März 2019 zu sich ein und schlug ihm vor, eine Gesichts- und Handtransplantation zu wagen. Eine solche war vorher noch nie erfolgreich gewesen. Rodriguez: „Ich habe ihm gesagt, dass es schon zwei Mal probiert wurde und nicht geklappt hat. Einer der Patienten ist bei dem Eingriff sogar gestorben. Joe kannte also das Risiko, wollte es aber unbedingt wagen.“
Ein weiteres Problem: DiMeo hatte nur eine sechsprozentige Chance, einen geeigneten Spender zu finden und die Covid-Pandemie erschwerte den ganzen Prozess obendrein. Am 10. August 2020 bekam DiMeo jedoch den erlösenden Anruf: Sie hatten einen Spender gefunden!
Zwei Tage später lag er bereits unter dem Messer. Rodriguez und sein Team hatten sich fast ein Jahr lang auf den Eingriff vorbereitet. Während der 23-stündigen Operation musste das Team zwei Knochen, 21 Sehnen, fünf Venen, zwei Hauptarterien und drei Hauptnervenstränge miteinander verbinden. Rodriguez: „Es ist historisch schnell gegangen, und wir hatten nur eine einzige kleinere Komplikation, die schnell behoben war. Als ich Joe nach dem Eingriff mit seinem neuen Gesicht und zwei kompletten Händen sah, war ich einfach nur stolz und dankbar.“
DiMeo kam zwei Tage nach der OP wieder zu sich und begann eine Woche später bereits seine Physiotherapie, um Gefühl und Kraft in seine neuen Hände zu bekommen. Nach fünf Monaten hatte er bereits einen kräftigeren Griff erlangt, als andere Handtransplantationspatienten nach einem Jahr.
Für Rodriguez liegen die guten Fortschritte an der optimistischen Einstellung seines Musterpatienten – und der ist einfach nur glücklich: „Ich kann das Fell meines Hundes wieder spüren und wenn er mir die Hand abschleckt. Solche kleinen Dinge im Leben habe ich unheimlich vermisst.“ ds