Berlin – Wir bleiben zuhause – das klingt jetzt anders. Unterwegs zu sein war am Wochenende in vielen Teilen Deutschlands keine gute Idee. Schon gar nicht mit der Bahn, dem Auto oder mit dem Lastwagen auf einer Autobahn. Nach dem Lockdown wegen Corona kam der Flockdown mit einem Schneesturm, der am Sonntag über der Nordhälfte Deutschlands hinwegfegte. Und das extreme Wetter ist noch nicht vorbei. Ein Überblick:
Ob in Magdeburg oder Hannover, der Schnee türmte sich so, wie es sonst die Menschen in Bayern gewohnt sind. Allein in Nordrhein-Westfalen gab es Hunderte Unfälle. In Städten wie Münster und Dortmund fuhren keine Busse mehr. Autos und sogar Räumfahrzeuge steckten im Schneetreiben fest. In Wuppertal blieb die Schwebebahn in eisiger Kälte stehen, sechs Menschen mussten mit Drehleitern in luftiger Höhe befreit werden. In Hessen hingen mehr als 55 Sattelschlepper bei Schnee auf den Autobahnen fest. In Westfalen und Südniedersachsen wurde ein bis Montag gültiges Lkw-Fahrverbot auf Autobahnen verhängt.
Das Heimspiel von Arminia Bielefeld gegen Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga musste abgesagt werden. Beim Zirkus Max Renz in Wesel erwischte der Schnee das Zelt der Kamele. „Als hätten wir im vergangenen Jahr nicht schon genug mitgemacht“, schrieb der Zirkus bei Facebook mit Blick auf die Corona-Zwangspause. Die Tiere seien aber unverletzt geblieben.
Schneeschippen vorm Haus war vielerorts angesagt, so wie in Irxleben bei Magdeburg. Dort erzählte der Mitarbeiter eines Winterdienstes, aktuell habe es keinen Sinn, Salz zu streuen, weil der Schnee eh drauf falle. Zur Zeit helfe einfach nur „schieben, schieben, schieben“. In Niedersachsen musste die Autobahn 7 zwischen Bockenem und Salzgitter gesperrt werden. Das Technische Hilfswerk (THW) unterstützte die Polizei. „So einen Schnee-Einsatz hatten wir seit mindestens zehn Jahren nicht mehr“, sagte THW-Sprecher Rainer Engelke.
Auch die Deutsche Bahn hatte zu kämpfen. Viele Fernzüge fielen aus, etwa auf wichtigen Strecken wie von Berlin Richtung Köln, Frankfurt/Main und München. Auch der Fernverkehr zwischen Deutschland und den Niederlanden wurde am Sonntag eingestellt. In weiten Teilen Mitteldeutschlands gab es Probleme im Regionalverkehr, in Westfalen wurden der Nahverkehr bis auf wenige Ausnahmen komplett eingestellt. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ging fast nichts mehr. In besonders schwer vom Winterunwetter betroffenen Regionen gab es laut Bahn Aufenthaltszüge für Reisende. Dort konnten sich gestrandete Fahrgäste aufwärmen. Die meisten Menschen hätten sich aber an die Empfehlung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gehalten und seien zuhause geblieben, hieß es von der Bahn.
Der Nah- und Fernverkehr wird auch heute eingeschränkt sein. Die Kulanzregelung für Reisende im Fernverkehr werden laut Bahn auf Tickets für Fahrten am 8. Februar ausgeweitet. Bereits gebuchte Fahrkarten können demnach bis einschließlich 7 Tage nach Störungsende flexibel genutzt oder kostenfrei storniert werden.
Dem Schneesturm folgt nun eine Kältewelle: Tief „Tristan“ über Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeer bringt im Zusammenspiel mit Hoch „Gisela“ über Skandinavien weitere eisige Luft. „Nach dem schnee- und windreichen Wochenende kommt nun aus Osten die große Kälte auf uns zu“, sagte Meteorologe Simon Trippler vom DWD am Sonntag. Mit Schnee muss weiter gerechnet werden, allerdings fällt dieser nicht mehr so intensiv wie am Wochenende. Am Dienstag lassen die Schneefälle dann größtenteils nach, außer an der Küste. Für die Nächte sagen die Meteorologen klirrende Kälte vorher, häufig mit strengem Frost unter minus zehn Grad. Lokal seien insbesondere über Schneeflächen bis zu minus 20 Grad „gut möglich“.
Die zunächst erwartete Schneekatastrophe ist jedenfalls ausgeblieben. Meteorologen hatten vor dem Wochenende von einem „denkwürdigen Ereignis mit Seltenheitswert“ gesprochen. Die Bilder vom Winter 1978/79 wurden wach, als der Norden Deutschlands bis zur Dachkante im Schnee versank. 42 Jahre später spiegelte sich das Wetter im Netz: Bei Twitter lagen Schlagwörter wie „Eisregen“ und „Flockdown“ im Trend. Die Wortschöpfung aus „Flocke“ und „Lockdown“ hatte der Wetterdienst Kachelmannwetter ins Spiel gebracht.