Großrazzia beim Remmo-Clan

von Redaktion

Zwei Festnahmen – Entschlüsselte Chatdaten führten zu Verdächtigen

Berlin – Kistenweise schleppen Ermittler beschlagnahmtes Material zu den Einsatzwagen. Vermummte Beamte sichern Hauseingänge: Erneut hat die Polizei zu einem Schlag gegen die Clankriminalität ausgeholt. Mit einer Großrazzia und hunderten Polizisten sowie Spezialeinsatzkommandos (SEK) gingen die Ermittler am Donnerstag in Berlin gegen kriminelle Mitglieder des arabischstämmigen Remmo-Clans und weitere Verdächtige aus der organisierten Bandenszene vor. Hintergrund sind laut Staatsanwaltschaft unter anderem die gewalttätigen Revierkämpfe zwischen Mitgliedern des Clans und „russischen Staatsangehörigen tschetschenischer Herkunft“, wie die Berliner Polizei am Donnerstagmorgen über Twitter mitteilte. Beide Gruppen waren im November 2020 mehrfach gewalttätig aufeinander losgegangen. Außerdem ging es um organisierten Waffen- und Drogenhandel, Körperverletzungen sowie Ermittlungen des Finanzamtes zu Steuerhinterziehungen und anderen Delikten. Zwei Verdächtige wurden festgenommen. Ihre Verhaftung geht nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt auf entschlüsselte Daten des Kurznachrichtendienstes EncroChat zurück. Laut Staatsanwaltschaft waren Datensätze, die von französischen Behörden über das Bundeskriminalamt nach Berlin gekommen seien, entscheidend, um Ermittlungen wegen Drogenhandels und Handels mit Maschinenpistolen gegen die Männer im Alter von 44 und 22 Jahren aufzubauen.

EncroChat wurde vor allem von Kriminellen genutzt. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang es im Vorjahr, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen. 60 000 Teilnehmer hätten den aufwendig verschlüsselten Chatdienst genutzt. An den mehr als 20 Durchsuchungen unter Federführung des Berliner LKA und der Staatsanwaltschaft waren auch das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei mit dem Spezialeinsatzkommando GSG9, die Brandenburger Polizei und die Steuerfahndung beteiligt. Erst im Herbst und Winter wurden vier Mitglieder des Remmo-Clans wegen des Verdachts der Beteiligung an dem Juwelendiebstahl in der Dresdner Schatzkammer Grünes Gewölbe verhaftet. Ein fünfter Verdächtiger aus der Familie konnte fliehen und wurde noch nicht gefasst.

Unter den durchsuchten Objekten war auch der Neuköllner Kiosk, der Mitgliedern des Clans zugerechnet wird und im Herbst von Tschetschenen überfallen wurde, außerdem eine Lagerhalle in Neuhardenberg östlich von Berlin. Demnach sollen die Täter Drogen in Lagerhallen in Brandenburg gebracht, in Fässer umgelagert und nach Berlin transportiert haben.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat nach dem Einsatz die Entschlossenheit der Polizei im Kampf gegen organisierte Kriminalität betont. „Die Durchsuchungen und vollstreckten Haftbefehle zeigen: Wir bleiben dran. Wir lassen nicht nach in der konsequenten Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Und zwar unabhängig, von wem sie gerade beherrscht wird“, teilte Geisel mit. Wichtig sei dabei, übergreifend und gut vernetzt gegen Kriminelle vorzugehen. Neben Verdächtigen aus der arabischstämmigen Clankriminalität würden „jetzt auch Kriminelle mit tschetschenischer Volkszugehörigkeit verstärkt in den Fokus“ kommen, so Geisel. „Bei ihnen herrscht ein ausgeprägter Ehrbegriff, eine hohe Affinität zu Gewalt und Waffen und eine geringe Akzeptanz staatlicher Autorität.“

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