„Parastronauten“ im Weltall

von Redaktion

Astro-Alex: Auf künftigen Missionen mehr Frauen sowie Menschen mit Behinderung

Köln/Paris – Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt sucht die europäische Raumfahrtagentur Esa wieder neue Astronautinnen und Astronauten. Es gehe nicht um Supermänner und -frauen, sagt der als „Astro-Alex“ bekannte Astronaut Alexander Gerst im Interview. „Im Gegenteil. Es bringt nicht einmal etwas, wenn man ein besonderes Supertalent hat.“ Außerdem wünscht sich der 44-Jährige einen höheren Frauenanteil bei den Bewerbungen.

Bei Ihrer Bewerbung 2008 war nur ein Sechstel der Bewerber weiblich. Das soll sich ändern. Kommt jetzt eine Quote?

Die Esa ist, auch rechtlich, ein Arbeitgeber mit Chancengleichheit. Wir können aber nicht einfach eine Quote einführen. Wir wollen jedoch sehr viel mehr Frauen zur Bewerbung ermutigen, um unser Team dadurch diverser zu machen. Ob jung oder alt, Mann oder Frau: Wir können es uns schlicht nicht leisten, nur einseitige Crews zu fliegen. Bei meinen Missionen bin ich nicht als „der Mann“ geflogen, und meine Kolleginnen auf der ISS waren nicht „die Frauen“. Das wäre eine falsche Denkweise. Es geht um Vielfalt in Erfahrungen und Persönlichkeiten. Unterschiede machen ein Team besser.

Wer ist idealer Bewerber oder ideale Bewerberin?

Es mag komisch klingen, aber durchschnittliche Fähigkeiten in allen wichtigen Bereichen sind oft am besten. Es geht nicht darum, bereits alles zu wissen oder zu können, sondern darum, wie schnell man sich Neues aneignen kann. Jeder von uns hat in diesem Job neu angefangen. Wir suchen keine Supermänner und Superfrauen. Es bringt nicht einmal etwas, wenn man ein besonderes Supertalent hat. Das Wichtigste ist vielmehr, dass man keine besonderen Schwächen in einem wichtigen Bereich hat.

Die Esa sucht auch explizit nach Bewerbern mit einem bestimmten Grad an körperlicher Behinderung. Was bedeutet das Programm namens „Parastronaut“?

Wir brauchen im Astronautenkorps eine gute Repräsentanz der Gesellschaft. Es geht nicht darum, Menschen mit Behinderungen einen Gefallen zu tun. Sondern dass wir Diversität als Chance sehen. Menschen mit Behinderungen können u. a. mit Schwierigkeiten gut umgehen. Und gute Problemlösungsstrategien können wir bei Weltraumflügen gut gebrauchen. Keiner von uns ist für das Leben in der Schwerelosigkeit gebaut. Auch Menschen mit gesunden Füßen haben dort ihre Nachteile. Warum sollte man dann nicht Menschen mitnehmen, die dieses Gefühl von der Erde kennen und damit besser umgehen können? Wo diese Grenze ist, wissen wir nicht. Aber wir wollen mit offenem Ausgang suchen, wo sie liegen könnte.

2022 startet ein europäischer Astronaut zum Erkundungsflug Richtung Mond. Die Raumschiffe werden gerade gebaut. Sind Sie dabei?

Ein faszinierendes Abenteuer. Aber noch ist nicht klar, wer mitfliegt. Alle erfahrenen Astronauten und Astronautinnen im europäischen Korps sind dafür prädestiniert, und ich stehe weiter für Missionen zur Verfügung. Als Astronaut will ich natürlich fliegen, das ist mein Beruf.

Artikel 2 von 11