Ein frühlingshafter Sternenhimmel

von Redaktion

Stuttgart – Nach Umstellung der Uhren auf Sommerzeit tritt die Dunkelheit nun spät ein. Nach Dämmerungsende zeigt der Sternenhimmel eindeutig frühlingshaften Charakter. Die Wintersternbilder haben das Feld geräumt. Hoch über unseren Köpfen steht der Himmelswagen. Er hilft, den Polarstern zu finden. Die fünfmalige Verlängerung der Strecke zwischen den hinteren beiden Kastensternen trifft auf Polaris, der die Nordrichtung andeutet. Blickt man zum Polarstern, so ist linker Hand Westen, rechter Hand Osten und im Rücken Süden.

Dreht man sich um, so erkennt man halbhoch im Süden den Löwen. Er ist das Leitsternbild des Frühlingshimmels. Das große Sternentrapez, das den Rumpf des Löwen andeutet, ist leicht zu erkennen. An der Nordwestecke des Löwentrapezes sitzt ein kleineres Sternentrapez, das den mähnenbehangenen Kopf dieses königlichen Tieres markiert.

Der Löwe ist Mitglied im illustren Kreis des Zodiacus. Er gehört also zu jenen dreizehn Sternbildern, durch die Sonne, Mond und Sterne hindurchlaufen. Die Sonne wandert dann vom 10. August bis 16. September durch den Löwen. Der hellste Stern im Löwen heißt Regulus, die lateinische Bezeichnung für „Kleiner König“. Regulus ist eine bläulich-weiße und sehr heiße Sonne in 77 Lichtjahren Entfernung. Während unsere Sonne an ihrer Oberfläche rund 5600 Grad heiß ist, ist die Temperatur am Regulusäquator mit 10000 Grad deutlich höher. Noch heißer sind mit 15 000 Grad die beiden Pole des Regulusglobus. Im Gegensatz zu unserer Sonne ist Regulus nicht kugelrund, sondern stark abgeplattet. Sein Poldurchmesser ist um ein Drittel kürzer als der Äquatordurchmesser.

Auf den Löwen folgt die Jungfrau im Tierkreis. Sie nimmt den Platz im Südosten ein. Ihr hellster Stern heißt Spica, zu Deutsch die Kornähre. Sie ist ein Symbol für die Fruchtbarkeit der Jungfrau. Spica ist wie Regulus ebenfalls ein heißer, blau-weißer Stern. Mit 260 Lichtjahren Entfernung ist sie mehr als dreimal so weit weg wie Regulus.

Ein intensiv orange-roter, hell strahlender Stern fällt hoch im Südosten auf. Es ist Arktur im Sternbild Bootes, dem Rinderhirten. Der Name bedeutet Bärenhüter. Im täglichen Himmelsumschwung folgt Arktur permanent dem Großen Bären. Er treibt gewissermaßen den Bären um den Polarstern herum. Die drei Sterne Regulus im Löwen, Spica in der Jungfrau und Arktur im Bootes bilden den Schwerpunkt des Frühlingssternenhimmels, weshalb man auch vom Frühlingsdreieck spricht.

Mars ist Planet der ersten Nachthälfte. Der rötliche Nachbarplanet geht Anfang April kurz vor zwei Uhr nachts unter, zu Monatsende eine halbe Stunde früher. Neumond tritt am 12. um 4.31 Uhr ein. Vom 16. bis 24. sind die Sternschnuppen der Lyriden zu erwarten. Sie scheinen dem Sternbild Leier zu entströmen. Zum Höhepunkt in der Nacht vom 22. auf 23. flammen rund zwanzig Meteore pro Stunde auf.

Die Mittagshöhe der Sonne nimmt um gut zehn Grad zu, die Tage werden in 50 Grad Nord um eine Stunde und 44 Minuten länger. H.-U. KELLNER

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