Stockholm – Die 17-jährige Wilma Andersson musste sterben, weil ihr Freund zwanghaft eifersüchtig war. Noch vor Gericht beteuerte der 23-Jährige seine Unschuld, obwohl die Polizei Wilmas abgetrennten Kopf in seiner Wohnung fand. Mordverurteilt im Gefängnis sagte Täter Tishko Ahmed dann: „Sie verdiente es, die kleine Hure“, so ein Wächter.
Immer häufiger kommt es in Schweden zu Frauenmorden. Gerade erlebt das Land eine richtige Welle und ist entsetzt.
Auch die Gewalt gegenüber Frauen – eine Spirale, die manchmal zum Mord führt –soll sich gehäuft haben. Politiker versprechen mehr Hilfe für Frauenhäuser und andere Einrichtungen für Frauen. Dabei ist Schweden das emanzipierteste Land der EU. Dies stellt unter anderem der EU-Gleichstellungsindex seit 2005 fast jährlich fest. 2020 bekam Schweden wieder den ersten Platz mit 83 Punkten. Weit abgeschlagen: Deutschland mit 67,5 und Österreich mit 66,5 Punkten (EU-Durchschnitt 67,9). Schon seit einigen Jahren klebt in fast jeder U-Bahn ein Werbeschild, das sich an misshandelte Frauen wendet und Hilfe anbietet. Zumeist wurden die Frauen von Liebhabern oder Ex-Liebhabern ermordet. Auch die Pandemie könne zu mehr Spannung und körperlicher Gewalt beigetragen, sagte Jenny Westertrand vom Frauenschutzverband. Überrepräsentiert sind Männer mit Migrationshintergrund. Zumeist sind sie nicht aus der ersten Einwanderer Generation, sondern deren Kinder, laut einer Studie, die die Zeitung „ETC“ zitierte.
Inzwischen sind Frauenmorde und Gewalt gegenüber Frauen Topthema im Königreich. „Es erfüllt mich mit Zorn“, sagte der sichtlich aufgebrachte, sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Lövfen, der, wie er selbst sagt, zusammen mit den Grünen einer „feministischen Regierung“ angehöre.
2020 gab es 16 461 gemeldete Übergriffe auf Frauen in Schweden – verübt von den Partnern. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 15,4 Prozent. Seit 2000 wurden 315 Frauen von ihren Männern ermordet. Die Gewalt der Männer steigerte sich oft sehr langsam, schrittweise, bis es zu schwerwiegenden Übergriffen komme, so die Zeitung „Aftonbladet“. Oft hätten die Frauen bereits Kontakt mit Hilfsorganisationen gehabt. Doch die gemeinsamen Kinder, die finanziellen Umstände und auch die Angst vor ihren Männern zwinge sie häufig in die Ehe zurück, so die Experten. Auch Ehrenmorde, bei denen Frauen von Familienmitgliedern ermordet werden, weil sie vermeintliche Schande über die Familie gebracht haben sollen, sind in diesem Zusammenhang ein großes Thema in Schweden. A. ANWAR