Sauerstoff für Indien

von Redaktion

Bundeswehr-Anlage hilft Kranken – Höchstzahl von Corona-Toten an einem Tag

Neu-Delhi – Hunderte Patienten liegen in Zelten am Rande der Hauptstadt Neu-Delhi. Es ist heiß. Die Zelte gehören zu einem Feldlazarett, das das indische Militär auf Ersuchen der Regierung aufgebaut hat, um bei der Versorgung der vielen Corona-Kranken zu helfen. Neben einigen Betten stehen Metallflaschen, die die Kranken über Atemmasken mit konzentriertem Sauerstoff versorgen. Einen Teil davon liefert eine Anlage ganz in der Nähe, die erst vor Kurzem durch die Bundeswehr nach Indien eingeflogen wurde, wie es aus dem indischen Verteidigungsministerium hieß.

400 000 Liter konzentrierten Sauerstoff stellt diese Anlage jetzt pro Tag in Neu-Delhi her. Damit könnten auf einer deutschen Intensivstation rund 28 Corona-Patienten künstlich beatmet werden, sagt Oberstleutnant Claas Gärtner, Sprecher des Teams von Sanitätssoldaten aus Deutschland, das indischen Kollegen die Anlage erklärt hat. In Indien aber dürfte mit dieser Menge noch mehr Corona-Patienten geholfen werden, weil ihnen „teils etwas weniger oder weniger lang“ Sauerstoff gegeben würde, so Gärtner. Nun werde der Sauerstoff aus der deutschen Anlage auf verschiedene Krankenhäuser in der Hauptstadt verteilt, sagt ein Vertreter des indischen Verteidigungsministeriums.

Indien hat gestern einen neuen Höchstwert von 4529 Corona-Todesfällen binnen 24 Stunden verzeichnet. Die Gesamtzahl der Todesfälle in Indien seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 283 248. Die Seuche verbreitet sich derzeit zunehmend auf dem Land, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt und es viel weniger Testmöglichkeiten und eine schlechte Gesundheitsversorgung gibt. Auf dem heiligen Fluss Ganges treiben derzeit hunderte Leichen, zumindest teils von Corona-Opfern, deren Familien sich die traditionelle hinduistische Einäscherung nicht leisten konnten, wie es von örtlichen Behörden hieß. Die Dunkelziffer dürfte groß sein.

Die deutsche Anlage filtert Umgebungsluft, verdichtet Sauerstoff, der dann in Flaschen abgefüllt werden kann, wie der Sprecher des Sanitätssoldatenteams sagt. Diesen konzentrierteren Sauerstoff braucht man für Patienten, bei denen Corona die Lungenfunktion stark eingeschränkt hat. Durch die Beatmung soll sichergestellt werden, dass der Organismus mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird.

Herausforderungen seien die hohe Luftverschmutzung und Temperaturen um die 40 Grad täglich, sagt Oberstleutnant Gärtner. So könnten täglich 100 000 Liter weniger Sauerstoff produziert werden als in Deutschland. Die Bundeswehr habe sechs solche Anlagen, die in Feldlazaretten eingesetzt werden könnten.

Insgesamt haben nach Angaben der Behörden in Neu-Delhi mehr als 40 Länder aus der ganzen Welt Hilfe für Indien versprochen. Bislang seien 19 Sauerstoffgewinnungsanlagen, mehr als 7400 Beatmungsgeräte, rund 550 000 Fläschchen Remdesivir, mehr als 11 300 Sauerstoffkonzentratoren sowie mehr als 15 800 Sauerstoffflaschen angekommen.

ANNE-SOPHIE GALLI

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