Wuppertal – Im Fall der fünf getöteten Kinder im nordrhein-westfälischen Solingen hat am Montag vor dem Landgericht Wuppertal der Mordprozess gegen deren Mutter begonnen. Die zur Tatzeit 27-jährige Christiane K. muss sich wegen heimtückischer Tötung in fünf Fällen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der sechsfachen Mutter vor, ihre fünf jüngsten Kinder am 3. September 2020 in ihrer Wohnung erstickt beziehungsweise erwürgt zu haben. Bislang hatte die Deutsche ihre Unschuld beteuert: Ein maskierter Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen und habe ihre Kinder umgebracht. Für diese Version seien aber keinerlei Spuren oder Ansatzpunkte entdeckt worden, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gesagt.
Beim Beginn des Prozesses hat sich die angeklagte Mutter aber in Schweigen gehüllt. Sie werde weder zur Sache, noch zu ihrer Person aussagen, teilten ihre Verteidiger am Montag mit.
Stattdessen lehnten die Anwälte den psychiatrischen Gutachter des Verfahrens ab. Ihre Mandantin habe ihn nicht von der ärztlichen Schweigepflicht befreit, stattdessen habe er ihr eine Teilschweigepflicht „vorgegaukelt“ und sie damit getäuscht.
Außerdem habe er sich nach relevanten Ermittlungsverfahren gegen den Vater der Angeklagten nicht einmal erkundigt, geschweige denn die Akten eingesehen.
Der Gutachter hatte in einer vorläufigen Stellungnahme keine psychischen Erkrankungen bei der 28-jährigen Mutter festgestellt. Der Deutschen droht lebenslange Haft.
Laut Anklagevorwurf verabreichte sie ihren drei Töchtern und zwei Söhnen im Alter von eineinhalb, zwei, drei, sechs und achteinhalb Jahren jeweils hohe Dosen verschiedener Medikamente. Demnach soll sie ihnen Antibrechmittel, Fiebersaft und Medikamente gegen Reiseübelkeit in die Frühstücksgetränke gemischt haben. Als die Kinder ausgetrunken hätten, seien sie schläfrig geworden und eingeschlafen.
Daraufhin habe K. im Badezimmer Wasser in die Wanne gelassen, Badespielzeug bereitgelegt sowie ein mobiles Heizgerät in den Raum gestellt und angeschaltet. Laut Staatsanwaltschaft weckte sie danach ein Kind nach dem anderen und verfuhr nach demselben Muster. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte die Taten zwischen 7.20 und 11.30 Uhr beging, wie Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt vor dem Prozessauftakt erklärte. In diesem Zeitraum habe sie erfahren, dass ihr Ehemann, von dem sie bereits seit längerer Zeit getrennt gelebt haben soll, eine neue Lebenspartnerin habe. Mit dieser soll er ein gemeinsames Foto als Statusmeldung bei Whatsapp hochgeladen haben.
Daraufhin tauschte die damals 27-Jährige laut Staatsanwaltschaft über mehrere Stunden Nachrichten mit ihrer Mutter und ihrem Ehemann über Whatsapp aus. An ihren Mann schrieb sie laut Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt: „Die Kinder sind da, wo ich gleich sein werde.“ „Explizit angedeutet“ habe sie die Taten aber nicht.
Für den Prozess vor der Schwurgerichtskammer sind zunächst elf Verhandlungstage bis Mitte August angesetzt. Die Angeklagte befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind mehrere Zeugen geladen.
Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn überlebte unverletzt. Seine Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. afp, dpa