Breclav – Ein schweres Unwetter mit einem Tornado hat im Südosten Tschechiens mindestens drei Menschen getötet. Das teilten die Rettungsdienste am Freitag mit. Rund 200 Menschen wurden verletzt, davon mussten 83 mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Der Tornado hatte am Donnerstagabend sieben Dörfer in der Region Südmähren verwüstet. Häuser wurden zerstört, Dächer abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen und Autos umhergeschleudert.
Die Suche nach möglichen Verschütteten dauerte an. Hunderte Feuerwehrleute gingen in den zerstörten Gemeinden von Haus zu Haus. Auch Spürhunde halfen bei der Suche. Aus anderen Teilen des Landes machte sich weitere Verstärkung auf den Weg. Die Armee schickte Soldaten mit schwerer Technik.
Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. „Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näher kommen würde“, sagte ein Augenzeuge der Zeitung „Pravo“. „Dann begann die Hölle, alles flog herum.“ Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer. Der tschechische Innenminister Jan Hamacek machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. Er sprach von einer „gewaltigen Katastrophe“. Ministerpräsident Andrej Babis wollte das Unglücksgebiet am Nachmittag nach seiner Rückkehr aus Brüssel besuchen. Die Regierung versprach schnelle finanzielle Hilfe für die Betroffenen, von denen viele das Dach über dem Kopf verloren haben. Die Region an der Grenze zu Österreich ist als Weinanbaugebiet bekannt und bei Touristen beliebt.
Augenzeugen berichteten von einer Schneise der Verwüstung. Der Wetterdienst CHMU bestätigte später, dass es sich um einen Tornado gehandelt habe. In Tschechien gilt das als seltene Erscheinung, den letzten Tornado gab es vor drei Jahren.
Der stellvertretende Bürgermeister der stark betroffenen Gemeinde Hrusky, Marek Babisz, berichtete, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. „Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster“, sagte er der Agentur CTK. Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können. „Hier herrscht großes Chaos, große Panik“, sagte ein Augenzeuge in Luzice dem Fernsehen.
Viele Häuser sollen einsturzgefährdet sein. Die Polizei sperrte die Zufahrtswege zu mehreren Orten, um Schaulustige fernzuhalten. Schnelle Hilfe kam aus dem benachbarten Ausland: Österreich schickte 20 Krankenwagen und zwei Rettungshubschrauber, auch die benachbarte Slowakei entsandte mehrere Rettungswagen.
Den ganzen Abend über und bis in die Nacht hinein waren schwere Sommergewitter durch Südmähren gezogen. Die Notrufleitungen waren überlastet. Rund um die Städte Breclav und Hodonin fielen Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen.
Wetter-Experten schließen ein Naturphänomen dieser Stärke in Bayern nicht aus. Gleichzeitig halten sie dies jedoch für unwahrscheinlich. „In den Frühjahrs- und Sommermonaten können Windhosen zwar auch im Freistaat auftreten“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Meist handle es sich dabei jedoch um schwächere Stürme. MICHAEL HEITMANN