Verzweifelte Vermisstensuche

von Redaktion

Miami – Nach dem Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses im US-Bundesstaat Florida wächst die Befürchtung, dass die Zahl der Opfer deutlich steigen könnte. Am Freitag galten weiter 159 Menschen als vermisst. Rettungsteams waren mit Spürhunden, Spezialkameras und Horchgeräten im Einsatz. Hin und wieder waren Klopfgeräusche aus den meterhohen Trümmerbergen zu hören. Bei dem Unglück in Surfside nahe Miami Beach wurden nach offiziellen Angaben vier Menschen getötet und elf verletzt. 37 Menschen seien aus dem Gebäude befreit worden, teilte die Feuerwehr mit.

„Nichts anderes zählt. Wir geben nicht auf“, sagte Surfsides Bürgermeister Charles Burkett. Die Retter seien rund um die Uhr im Einsatz. Allerdings habe Regen die Suche erschwert. „Wie ein Pfannkuchen“ sei der Wohnkomplex in sich zusammengestürzt. „Das ist herzzerreißend, denn für mich bedeutet das, dass wir bei der Suche nach Überlebenden nicht so erfolgreich sein werden, wie wir es gerne wären.“

Stadtrat Charles Kesl sagte dem Sender CNN, er hoffe auf weitere Überlebende. „Realistisch gesehen bin ich aber nicht sicher, wie viele oder ob überhaupt jemand lebend geborgen und gefunden wird.“ Die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, sagte mit Blick auf die Suche: „Jede Minute zählt.“ Die Behörden betonten zwar, dass die 99 Vermissten nicht unbedingt auch alle in dem Gebäude gewesen sein müssen. Für eine etwaige Identifizierung von Opfern wurden aber von Angehörigen DNA-Proben genommen.

Das strandnahe Gebäude mit rund 130 Wohneinheiten war in der Nacht zu Donnerstag teilweise eingestürzt. Die Ursache des Unglücks in Surfside ist weiter ein Rätsel. Der als Champlain Towers South bekannte Wohnkomplex aus den 1980er-Jahren sei erst kürzlich im Rahmen einer routinemäßigen Inspektion von Experten untersucht worden, sagte Stadtrat Kesl.

Professor Shimon Wdowinski von der Florida International University (FIU) sagte örtlichen Medien, er habe in einer Untersuchung im vergangenen Jahr festgestellt, dass das in einem Feuchtgebiet errichtete Gebäude in den 1990er-Jahren mehrere Millimeter abgesunken sei. Das allein habe den Kollaps kaum ausgelöst, aber vielleicht dazu beigetragen. „Wenn sich ein Teil des Gebäudes gegenüber dem anderen bewegt, kann das eine gewisse Spannung und Risse verursachen“, sagte er.

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