„Ein Albtraumbrand“

von Redaktion

Griechische Feuerwehr kämpft gegen Waldbrände nahe Athen

Athen – Zuerst kam die Gluthitze, dann brannte es lichterloh. Fast überall. Ob auf der Halbinsel Euböa oder dem Peloponnes, auf Rhodos oder im Großraum Athen: In ganz Griechenland sind am Dienstag während der weiter andauernden, brutalen Hitzewelle laut offiziellen Angaben 81 Waldbrände ausgebrochen. Die Menschen in den betroffenen Regionen hatten dennoch Glück im Unglück: Es kam keine Person ums Leben. Bisher.

Besonders schlimm wütete das Feuer in einem dichten Waldgebiet mit sehr leicht brennenden Pinienbäumen in den nördlichen Athener Vororten Varympompi und Adames. Bei Lufttemperaturen von 45 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von unter zehn Prozent seien am Dienstag und in der Nacht auf Mittwoch dort etwa 80 Häuser beschädigt worden oder vollständig ausgebrannt, wie griechische Medien am Mittwoch berichteten.

Zuvor waren die Bewohner auch der nahe liegenden Athener Vororte Thrakomakedones, Nea Erythrea sowie im ehemaligen Olympiadorf der Sommerspiele 2004 von den griechischen Behörden dazu aufgerufen worden, ihre Häuser und Wohnungen sofort zu verlassen.

Mehr als 520 Feuerwehrleute mit 150 Fahrzeugen sowie ferner fünf Löschflugzeuge, neun Löschhubschrauber, Einsatzkräfte der griechischen Streitkräfte und Polizei sowie zahlreiche Freiwillige waren vor Ort im Einsatz, um die Waldbrände alleine im Norden Athens unter Kontrolle zu bringen.

315 Menschen, deren Häuser von den Feuern umzingelt waren, konnten die Einsatzkräfte dort zudem noch retten. Ferner seien Pferde von den Geländen diverser Reitvereine von Varympompi sowie Hunde und andere Tiere vor der Feuersbrunst in Sicherheit gebracht worden. Im Stadtgebiet von Athen kam es überdies zu Stromausfällen, die Wasserversorgung konnte nur mit Notfallplänen aufrecht erhalten werden.

Die griechische Regierung unter dem konservativen Premierminister Kyriakos Mitsotakis versuchte, der Feuerkatastrophe noch etwas Positives abzugewinnen. „Wir haben nicht den Verlust von Menschenleben zu beklagen. Die Evakuierungen haben vorbildhaft funktioniert“, sagte Mitsotakis am Mittwoch nach einer Krisensitzung mit Einsatzkräften in Athen. Dennoch sprach er von einem „Albtraumbrand“.

Demgegenüber wiesen Experten darauf hin, dass der bisher eher schwache Wind eine größere Katastrophe durch die Waldbrände in Athen und anderswo vermieden habe. Obendrein würden sich insbesondere viele Athener im traditionellen Ferienmonat August gar nicht in ihren Wohnungen und Häusern aufhalten. Auch das habe dazu beigetragen, dass bislang keine Brandopfer in den betroffenen Regionen zu beklagen seien.

Am Mittwoch sahen sich die in der Hauptstadt verbliebenen Bewohner jedenfalls einem ganz anderen Problem ausgesetzt. „Bleiben Sie zu Hause! Schließen Sie hermetisch Ihre Fenster und Türen!“, riefen die griechischen Behörden die Athener auf. Der Grund dafür: ein toxischer Smog. Nicht nur Asche, sondern auch gefährliche Mikropartikel seien wegen der Waldbrände über ganz Athen in der Luft nachweisbar, die leicht in die Lungen der Menschen eindringen und Schäden verursachen können. Dabei sei der Grenzwert um ein Vielfaches überschritten worden, wie der griechische Wetterdienst „Meteo“ berichtete.

Während sich die Lage an der Feuerfront in Athen im Laufe des Mittwochs leicht entspannte, blieben die Waldbrände auf der Halbinsel Euböa, rund eine Autostunde von Athen entfernt, auch am Mittwoch außer Kontrolle. Auch in anderen Urlaubsregionen am Mittelmeer wüten seit Tagen verheerende Waldbrände.

FERRY BATZGLOU

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