„Man hat uns verbrennen lassen“

von Redaktion

Schuldzuweisungen nach Feuerkatastrophe – Inselbewohner verbittert

Athen – Noch sind die Flammen nicht besiegt, da ist in Griechenland die politische Diskussion entbrannt. Hat die Regierung versagt? Oder ist einer Feuerkatastrophe dieses Ausmaßes einfach nicht beizukommen?

Die Menschen auf Euböa sind zutiefst verbittert. Im Norden der zweitgrößten griechischen Insel stehen riesige Waldflächen in Flammen. Unterstützt von rund 500 Einsatzkräften kämpfen die Anwohner rund um die Uhr mit Wassereimern und Gartenschläuchen gegen die Feuerwände und um ihre Dörfer. „Ich habe schon keine Stimme mehr, so oft habe ich nach zusätzlichen Löschflugzeugen gefragt. Ich halte diese Situation einfach nicht mehr aus“, sagte der Bürgermeister von Mantoudi, Giorgos Tsapourniotis. „Man hat uns verbrennen lassen“, bilanziert ein anderer Inselbewohner knapp.

Viele Dörfer seien nur deshalb von den Flammen verschont geblieben, weil Einwohner trotz Evakuierungsanordnung blieben und die Feuer mit dem Gartenschlauch in Schach hielten, berichtete Tsapourniotis.

Am Sonntag wurden erneut rund 350 von den Flammen eingeschlossene Bewohner vom Strand von Pefki aus in Sicherheit gebracht. Erst seit die Brände vor Athen halbwegs unter Kontrolle sind, fliegen Löschflugzeuge seit Sonntag endlich auch Euböa an – ein Stadt-Land-Konflikt rund ums Eindämmen der Feuer zeichnet sich ab.

Noch nie in der bisher weitgehend erfolgreichen zweijährigen Amtszeit des konservativen Premiers Kyriakos Mitsotakis gab es von den großen Zeitungen des Landes ernsthafte Kritik. Aber jetzt.

„Es ist das erste Mal, dass die Regierung stufenweise die Kontrolle verloren hat“, urteilte die regierungsfreundliche Sonntagszeitung „To Vima“. Weil so viele Brände zeitgleich ausgebrochen seien, habe man die Löschversuche zunächst verteilt. Dann aber seien die Einsatzkräfte im Norden Athens zusammengezogen worden, weil dort die meisten Menschen bedroht waren. Derweil habe auf Euböa eine „Jahrhundertkatastrophe“ ihren Lauf genommen, schreibt das Blatt.

Der Premier hatte seine Taktik am Donnerstag in einer Ansprache so erklärt: „Priorität haben Menschenleben, erst dann folgen Besitztümer und Natur.“ Im Großraum Athen leben rund vier Millionen Menschen, Euböa hat etwa 220 000 Einwohner. Selbst Kritiker müssen der Regierung Mitsotakis Erfolge zugestehen. Bisher kamen keine Menschen ums Leben. Die Evakuierungsmaßnahmen per Warn-SMS wurden frühzeitig angesetzt und funktionierten.

Zudem verfügt Griechenland über eine der größten Flotten an Löschflugzeugen und -hubschraubern in Europa. Und der Premier hatte sich auch nicht gescheut, bereits am 3. August internationale Hilfe anzufordern, die nun verstärkt eintrifft. Gestern machten sich beispielsweise knapp 60 Feuerwehrleute und Hilfskräfte mit 19 Fahrzeugen aus Bonn auf den Weg in Richtung Athen. Sie werden am Donnerstag an den Einsatzorten erwartet.

Derweil entspannte sich nach Regenfällen die Lage in den Waldbrandgebieten der Türkei. Außer Kontrolle sind weiterhin Brände in der westtürkischen Provinz Mugla. In Italien lodern Flammen vor allem in Kalabrien und Apulien sowie auf Sizilien und Sardinien. In Campomarino in der Region Molise an der Adria wurden am Sonntag wegen Feuern Hotels, Campingplätze und Wohnhäuser evakuiert und 400 Menschen in Sicherheit gebracht.

Endlich kommen die

Löschflugzeuge

Aus Deutschland

ist Hilfe unterwegs

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